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REFINA-Querschnittsthemen-Workshop: „Standort- und Flächenbewertung“

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14.1.2008

Am 14. Januar 2008 fand im Internationale Begegnungszentrum der Universität Stuttgart der erste REFINA-Querschnittsthemenworkshop zum Thema „Standort- und Flächenbewertung“ statt. An der Veranstaltung nahmen insgesamt 29 Personen aus REFINA-Vorhaben sowie vom REFINA-Begleitkreis teil. Es waren Vertreterinnen und Vertreter aus 15 REFINA-Projekten anwesend. Julius Mihm vom Stadtplanungsamt Ludwigsburg war von der kommunalen Anwenderseite auf dem Workshop präsent.

Im Fokus des Workshops und der darin geführten Diskussionen stand die folgenden beiden Aspekte der Standort- und Flächenbewertung:

Als Input für die folgenden Diskussionen stellten Vertreter ausgewählter REFINA-Vorhaben ihre jeweiligen Bewertungsansätze vor. Dr. Bernd Murschel vom Projekt „REGENA“ erläuterte den integrierten Bewertungsschlüssel aus ökonomischern, ökologischen und städtebaulichen Parametern, der für die Bewertung von Gewerbeflächen im regionalen Gewerbeflächenpool Neckar-Alb entwickelt wird. Dieser Bewertungsschlüssel soll zukünftig als Grundlage für die Monetarisierung der Poolanteile der am Gewerbeflächenpool beteiligten Gemeinden dienen.
Stellvertretend für das Projekt „Gläserne Konversion“ referierte Olaf Krawczyk, wie am Beispiel von zwei Konversionsflächen im ländlichen Raum ein partizipatives Entscheidungs- und Bewertungsverfahren für ein nachhaltiges kommunales Flächenmanagement entwickelt wird. Dabei werden im Rahmen des Verfahrens potenzielle Zielkonflikte analysiert sowie bestehende Akteursstrukturen untersucht und aufgebaut, um nachhaltige Flächennutzungsentscheidungen auf kommunaler Ebene zu unterstützen.
Dieter Behrendt vom Projekt „Nachhaltiges Flächenmanagement Hannover“ stellte die Kriterien für die Auswahl von Brachflächen vor, die in einem privaten Grundstücksfonds für den Erwerb, die Sanierung und den Verkauf von Brachflächen aufgehen könnten. Ein hierfür zu entwickelndes detailliertes Ziel- und Kriteriensystem soll eine Vielzahl von Kriterien in den einzelnen Feldern der Nachhaltigkeit umfassen und diese problemadäquat gewichten.
Dr. Uwe Ferber vom Projekt „KOSAR“ stellte eine mögliche Methode zur Bewertung von Reserveflächen im Rahmen eines Flächenportfolios der GESA Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten mbH in den neuen Bundesländern vor. Hiermit soll das Ziel unterstützt werden, bislang nicht vermarktbare Flächen mit vergleichsweise geringem Kostenaufwand zu so genannten Reserveflächen zu entwickeln. In diese Bewertungsmethode sollen Kriterien wie Lage, erforderliche Sanierungs- und Rückbaumaßnahmen, notwendige Maßnahmen aus städtebaulicher, ordnungsrechtlicher oder ökologischer, Bewirtschaftungskosten bzw. -einnahmen und der Bodenwert Eingang finden.
Julius Mihm vom Stadtplanungsamt Ludwigsburg stellte aus kommunaler Sicht die Anforderungen an die Bewertung von Standorten vor. Am Beispiel städtebauliche bedeutsamer Entwicklungsflächen in Ludwigsburg erläuterte er das Zusammenspiel und die Anforderungen an die Integration von zahlreichen Teilaspekten bei der Entwicklung von Flächenpotenzialen im Bestand. Zu den bewertungsrelevanten Aspekten zählen dabei unter anderem , Lage im Stadtraum, Ziel- und Umgebungsnutzung, Boden- und Grundwasserschutz, Erschließungsanforderungen, Denkmalschutz, Artenschutz und Lärmschutz.
Markus Rolf vom Projekt „Funktionsbewertung urbaner Böden“ stellte die Kriterien der Bewertung von Stadtböden vor, die der Operationalisierung von gesetzlichen und kommunalen Leitbildern und Qualitätszielen dienen sollen, um eine optimierte Bodennutzung durch eine Standortlenkung zu erreichen. Dabei wird die Bodenfunktionsbewertung als Teil einer integrierten Standortbewertung im Rahmen von Flächennutzungsentscheidungen betrachtet.

In der Diskussion wurde deutlich, dass die jeweiligen Zugänge zu Bewertungsansätzen je nach Flächenbezug – Einzelfläche, Kommune, Region – variieren. Teilweise verfügen die Projekte noch nicht über Erfahrungen in der Kommunikation ihrer Entwürfe für Bewertungsansätze mit den Modellkommunen.
Oft ergeben sich Probleme bei der Gewichtung ökonomischer, ökologischer und städtebaulicher Kriterien. In der Praxis dominieren bei Flächennutzungsentscheidungen häufig ökonomische Kriterien, weil diese die tatsächlichen Handlungsspielräume bestimmen. Dennoch bestehe in der kommunalen Praxis ein großes Interesse an der Berücksichtigung ökologischer Kriterien. Bewertungskriterien für Standorte werden auch als ein wichtiges Instrument für die Monetarisierung von Flächen im Rahmen der Eingriffs-/Ausgleichsregelung erachtet. Die leichtere Anwendbarkeit und Kommunikation von Bewertungsansätzen erfordere aber generell eine Reduktion von Kriterien und Indikatoren. Zudem könnten außerhalb von Forschungsvorhaben kaum größere Datenmengen für aufwändige Bewertungsverfahren erhoben und verarbeitet werden. Vielmehr seien aus kommunaler Sicht zieladäquate, einfache und praxistaugliche Ansätze erforderlich.

Zukünftigen Klärungsbedarf sahen die Workshopteilnehmer unter anderem in der Herausarbeitung von Bewertungsansätzen in Anhängigkeit von den konkreten Zielsetzungen. In diesem Zusammenhang wurde auch die notwendige Reduktion der Komplexität von Bewertungsansätzen genannt.

Hilfreich könnte zudem eine deutlichere Herausarbeitung der in den REFINA-Projekten angewandten Kriterien und Indikatoren im Sinnen einer Synopse sein.
Großes Interesse besteht an einem vertieften inhaltlich-methodischen Austausch zwischen den Projekten, die bereits über weit entwickelte Bewertungsansätze verfügen.
Diskussionsbedarf sehen die Vertreterinnen und Vertreter in Belangen der Kommunikation von Bewertungsansätzen gegenüber Kommunalpolitik, Verwaltung und weiteren flächennutzungsrelevanten Akteuren.
Schließlich sollten ach Vorliegen der Projektergebnisse der REFINA-Vorhaben die Schnittmenge aus den einzelnen Bewertungsansätzen ermittelt werden.


Kontakt:
Manfed Lieber, Tel. 0241/47058-0, lieber@bkr-ac.de
Thomas Preuß, Tel. 030/39001-265, preuss@difu.de

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