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Konferenzbericht: Nachhaltiges Flächenmanagement in Stadt und Region

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Gemeinsame Veranstaltung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie des Thüringer Ministeriums für Bau, Landesentwicklung und Verkehr

am 23. Juni 2011 in Schloss Ettersburg (bei Weimar)


Begrüßung

Dr. Marion Eich-Born (Staatssekretärin, Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr (TMBLV))

Foto: Dr. Marion Eich-Born

Frau Dr. Eich-Born stellte in ihrer Begrüßung zunächst den Tagungsort Schloss Ettersburg vor, bevor sie auf die Aktivitäten des Freistaats Thüringen zum Thema Nachhaltigkeit einging. Mit Bezug auf die Ziele der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie strebt Thüringen bis zum Jahr 2020 das Null-Hektar-Ziel bei der Flächenneuinanspruchnahme an und knüpft dieses an die Vision einer Flächenkreislaufwirtschaft. Diese Zielsetzung wird bereits in zahlreichen Landesprojekten unterstützt. Beispielhaft verwies Frau Dr. Eich-Born auf die Projektinitiative des Freistaats "GENIAL zentral", die landesweite Brachflächeninitiative und den Entwurf des Landesentwicklungsprogrammes 2025, die vor dem Hintergrund des demografischen Wandels zu lebenswerten Städten beitragen. Wichtige Bausteine stellten auch der jährliche Bahngipfel sowie die Berufung des Nachhaltigkeitsbeirates dar.

 

REFINA – von der Forschung in die Praxis

Maike Hauschild (Projektträger Jülich im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung)

Foto: Maike  Hauschild

Frau Hauschild, Projektträger Jülich (PtJ), erläuterte die Themenfelder und Schwerpunkte des BMBF-Förderschwerpunktes REFINA (REduzierung der FlächenInanspruchnahme und ein NAchhaltiges Flächenmanagement). Dabei warb sie für die im Rahmen von REFINA erarbeiteten Produkte. Die Produktdatenbank auf der REFINA-Website als eine öffentlich zugängliche Datenbank der unterschiedlichen in REFINA erarbeiteten Werkzeuge, die monatlich erscheinende Flächenpost , die REFINA-Schriftreihe und die unterschiedlichen Projektberichte sind die Basis für das erst kürzlich erschienene, umfangreiche REFINA-Handbuch für die Praxis. Des Weiteren verwies sie auf den Bericht der Umweltministerkonferenz (UMK), der neben Erfahrungen und Positionen der Fachministerkonferenzen die Ergebnisse aus REFINA aufbereitet, bewertet und weitere Vorschläge zur Weiterentwicklung von Instrumenten gibt. Die Kerngedanken der REFINA-Förderschwerpunkts fasste sie zusammen mit: Regional denken, Interkommunal entwickeln, Kommunizieren und Bewusstsein bilden, Infrastruktur: Wandel gestalten, Folgekosten abschätzen.

REFINA – von der Forschung in die Praxis (pdf, 1,99 MB)
Maike Hauschild


Reduzierung der Flächeninanspruchnahme – Chance oder Hemmnis?

Jens Meißner (Referatsleiter "Baurecht, Bautechnik", Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr (TMBLV))

Foto: Jens Meißner

Herr Meißner stellte in seinem Vortrag zunächst mit Verweis auf die unterschiedlichen aktuellen Aktivitäten zu nachhaltiger Flächennutzung heraus, dass das Thema Flächeninanspruchnahme nicht als reines Umweltthema sondern als Querschnittsthema zu betrachten sei. Nach einer kritischen Einschätzung des Begriffs Flächenverbrauch und der darunter subsumierten Flächennutzungen verwies Herr Meißner auf die noch vorhandenen Nachhol- und Erweiterungsbedarfe für Gewerbe, Industrie und Wohnen. Abschließend stellte er zahlreiche Ansätze zum Flächenschutz mit Hilfe des "goldenen Zügels" vor, u.a. im Zuge der Städtebauförderung, der Landesinitiative "GENIAL zentral" oder des Stadtumbaus. Hier halte er - auch nach der Abwägung der Chancen und Risiken der Reduzierung der Flächeninanspruchnahme - ein "Flächennullwachstum" unter bestimmten Voraussetzungen - wie einer konsequenten Nutzung vorhandener Flächenpotenziale oder einer intelligenten und bedarfsorientierten Planung - für möglich.

Reduzierung der Flächeninanspruchnahme – Chance oder Hemmnis? (pdf, 42 kB)
Jens Meißner

Themenblock 1: Flächenmanagement durch Innenentwicklung und Flächenrecycling

GENIAL zentral: Förderung der Innenentwicklung im Rahmen der Projektinitiative des Freistaats Thüringen

Simone Strähle (Referat "Städtebau, Städtebauförderung", Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr (TMBLV))

Foto: Simone Strähle

Frau Strähle stellte in ihrem Vortrag die Landesinitiative "GENIAL zentral" vor, die ihre Wurzeln in der Thüringer Innenstadtinitiative aus dem Jahr 1997 hat. Diese wurde damals als Reaktion auf die Abwanderung von Nutzungen aus den Städten ins Leben gerufen wurde. "GENIAL zentral" ist kein eigenständiges Förderprogramm, sondern bündelt die Mittel aus vorhandenen Programmen u.a. der Städtebauförderung. Im Jahr 2011 zählen 43 Kommunen mit insgesamt 78 Standorten zur Landesinitiative "GENIAL zentral". Dabei sei die Initiative ein kleiner Baustein zum Flächensparen im großen Kontext einer nachhaltigen Thüringer Flächenhaushaltspolitik. Abschließend stellte Frau Strähle ausgewählte Projekte u.a. aus Arnstadt, Saalfeld, Gotha, Sondershausen, Ilmenau und Pößneck vor.

GENIAL zentral: Förderung der Innenentwicklung im Rahmen der Projektinitiative des Freistaats Thüringen (pdf, 3,8 MB)
Simone Strähle

Philipp Heinrichs (Leiter Bauamt, Stadt Heiligenstadt)

Foto: Philipp Heinrichs

Herr Heinrichs konkretisierte die Ausführungen seiner Vorrednerin zu "GENIAL zentral" am Beispiel der Neubebauung der Oberen Altstadt des Heilbads Heiligenstadt im Projekt "Brauhausplatz: Genial zentral – Unser Haus in der Stadt". Nach der Darstellung der Rahmenbedingungen in der Stadt Heiligenstadt und einem kurzen Streifzug durch die Geschichte des Projektquartiers erläuterte Herr Heinrichs den aufwändigen Planungsprozess inklusive städtebaulichem Ideenwettbewerb und Erstellung eines Bebauungsplans sowie die umfangreichen Beteiligungsangebote an die Bevölkerung. Derzeit laufen die Baumaßnahmen und Herr Heinrichs schätzte das Projekt als äußerst gelungen ein.

GENIAL zentral – Unser Haus in der Stadt Neubebauung Obere Altstadt – Heilbad Heiligenstadt (pdf, 7,62 MB)
Philipp Heinrichs

Integrierte Bewertung altlastenbezogener und städtebaulicher Aspekte bei der Mobilisierung von Brachflächen (REFINA-Vorhaben optirisk)

Dr. Gerold Hesse (Jena-Geos–Ingenieurbüro GmbH, Jena und Ingo Quaas (quaas_stadtpl aner, Weimar)

Foto: Dr. Gerold Hesse und Info Quaas

Dr. Hesse und Herr Quaas erläuterten in ihrem gemeinsamen Vortrag den Ansatz sowie ausgewählte Ergebnisse des REFINA-Vorhabens optirisk (Städtebauliche Optimierung von Standortentwicklungskonzepten belasteter Grundstücke auf der Grundlage der Identifizierung und Monetarisierung behebungspflichtiger und investitionshemmender Risiken). Mit dem Ziel der Rückführung von Problemflächen in den Grundstücksverkehr entwickelten sie ein Verfahren zur Ausschöpfung des Optimierungspotenzials von Bauleistungen, Baunebenleistungen und Entsorgungskosten. Im Mittelpunkt stehen Synergien zwischen Planung und Altlastenbearbeitung und -behandlung zur Optimierung der Neuinvestitionen. Hierbei gehe es u.a. um eine sorgfältige Bewertung von Risiken. Auf der Basis städtebaulicher Entwurfsplanungen werden erforderliche und verhältnismäßige Maßnahmen zur Erreichung des mindest hinnehmbaren Zustandes für die jeweils planungsrechtlich zulässige Nachnutzung abgeleitet. Dabei gehe es um Transparenz bei ökologischen Sachverhalten und die Verhältnismäßigkeit von Sanierungszielen. Der optirisk-Ansatz wurde anhand von Testplanungen für Standorte in Jena, Pößneck, Bad Lobenstein und Sonneberg erprobt.

Integrierte Bewertung altlastenbezogener und städtebaulicher Aspekte bei der Mobilisierung von Brachflächen (REFINA-Vorhaben optirisk) (pdf, 3,03 MB)
Dr. Gerold Hesse und Ingo Quaas

Dr. Heiko Voigt (Beigeordneter, Stadt Sonneberg)

Foto: Dr. Heiko Voigt

Herr Dr. Voigt ergänzte die Darstellung der optirisk-Methode durch die Vorstellung eines Projekts auf dem ehemaligen Güterbahnhof in Sonneberg. Die Revitalisierung des Geländes um den ehemaligen Güterbahnhof Sonneberg begann im Rahmen des Stadtumbaus mit einer Neuordnung der Haupterschließungssysteme zur Verbindung der Stadtteile und Entwicklung des Umweltbahnhofs. Im Zuge von optirisk wurden vier Stegreifentwürfe erarbeitet für potenzielle Nachnutzungen wie Bahnlogistik, Bahnnahes Gewerbe, Fachschule und Mietfabrik, Spielzeugland mit Energieinformationsflächen sowie Stadtgarten mit temporärem Messegelände. Für jede der Planungsvarianten wurden Risiken, Investitionsbedarfe sowie Kostenoptimierungsmöglichkeiten untersucht. Die als Ergebnis der Untersuchungen ermittelte Vorzugsvariante "Stadtgarten mit temporärem Messegelände" wurde schließlich in das Stadtentwicklungskonzept der Stadt Sonneberg aufgenommen.

Integrierte Bewertung altlastenbezogener und städtebaulicher Aspekte bei der Mobilisierung von Brachflächen (REFINA-Vorhaben optirisk). Beispiel: Sonneberg, ehemaliger Güterbahnhof (pdf, 2,3 MB)
Dr. Heiko Voigt

Themenblock 2: Kooperation und Kommunikation im Flächenmanagement

Interkommunale Kooperation in der Flächenentwicklung: Theorie, Praxis und Erfolgsbedingungen

Dr. Michael Melzer (Raum & Energie Institut für Planung, Kommunikation und Prozessmanagement GmbH, Wedel)

Foto: Dr. Michael Melzer

Herr Dr. Melzer zeigte am Beispiel des REFINA-Verbundprojektes "Stadt-Umland-Modellkonzept Elmshorn/Pinneberg" die ambivalente Sicht- und Herangehensweisen von Wissenschaft und Kommunen bei interkommunalen Kooperationen zur Reduzierung der Flächeninanspruchnahme auf. Aus dem Spannungsverhältnis zwischen theoretischen Perspektiven und den oft konträren kommunalen Erfahrungen leitete er Erfolgsbedingungen für interkommunale Kooperationen ab. Diese Erfolgsbedingungen seien u. a. Freiwilligkeit, Eigenständigkeit, Transparenz, Gleichberechtigung und Konsens. Das REFINA-Verbundvorhaben "Stadt-Umland-Modellkonzept Elmshorn/Pinneberg" leistete eine enge Einbindung der Kommunalpolitik in Zusammenarbeits- und Kommunikationsstrukturen wie einer Regionalkonferenz, einen Bürgermeisterausschuss und einen Arbeitsausschuss. Wichtig sei stets ein aktiver Interessenausgleich zwischen den Kooperationsbeteiligten.

Interkommunale Kooperation in der Flächenentwicklung: Theorie, Praxis und Erfolgsbedingungen (pdf, 2,05 MB)
Dr. Michael Melzer

Kommunikation zur Kostenwahrheit bei der Wohnstandortwahl. Innovative Kommunikationsstrategie zur Kosten-Nutzen-Transparenz für nachhaltige Wohnstandortentscheidungen in Mittelthüringen (REFINA-Vorhaben KomKoWo)

Rebecca Eizenhöfer (Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung GmbH, Ludwigsburg)

Foto: Rebecca Eizenhöfer

Frau Eizenhöfer legte den Fokus bei der Vorstellung des Projektansatzes zur Kommunikation zur Kostenwahrheit bei der Wohnstandortwahl auf die Kommunikation mit Bau- und Umzugswilligen und konzentrierte sich dabei auf die Erfahrungen in der Modellstadt Gotha. Zur Unterstützung von Privathaushalten bei der Wohnstandortwahl, zur Information über die realen Kosten verschiedener potenzieller Wohnstandorte wurde ein Paket zur Entscheidungshilfe entwickelt, das eine Webseite, ein Entscheidungshilfe-Tool und eine Broschüre umfasst. Der Einsatz der neu entwickelten Elemente zeige, dass die Kostentransparenz zur Sensibilisierung und Verhaltensänderung führe und die Entscheidungshilfe tatsächlich die Vorzüge integrierter Wohnstandorte aufzeigen könne. Somit könne die in KomKoWo erarbeitete Kommunikationsstrategie als Steuerungsinstrument in Kommunen eingesetzt werden.

Kommunikation zur Kostenwahrheit bei der Wohnstandortwahl. Innovative Kommunikationsstrategie zur Kosten-Nutzen-Transparenz für nachhaltige Wohnstandortentscheidungen in Mittelthüringen (REFINA-Vorhaben KomKoWo) (pdf, 1,48 MB)
Rebecca Eizenhöfer

Kommunikation zwischen Kommune, Flächeneigentümern und potenziellen Nutzern zur Aktivierung von Gewerbeflächenpotenzialen (REFINA-Vorhaben FLITZ )

Dr. Stefan Blümling (GEFAK – Gesellschaft für angewandte Kommunalforschung mbH, Marburg)

Foto: Dr. Stefan Blümling

Die unzureichende Wahrnehmung der Aktivierung von Gewerbeflächenpotenzialen als fach- und organisationsübergreifende Aufgabe , die Bedeutung von E-Government / IKT-Einsatz und Gewerbeflächenmanagement als "Randthema" sowie der unterentwickelte Wissenstransfer zum Einsatz von IKT zur Aktivierung von Gewerbeflächenpotenzialen für die kommunale Praxis waren im REFINA-Vorhaben FLITZ (Flächen ins Netz) Ausgangspunkt der Entwicklung einer Gewerbeimmobilienbörse am Beispiel der Stadt Gera. Dabei standen insbesondere kleinere und untergenutzte Gewebeflächen u.a. in leerstehenden Gebäuden und auf brachgefallenen Flächen im Fokus. Ein Ziel des Vorhabens war die Bündelung der Informationen zu Bestandsflächen in Gera in einem offenen, städtischen Immobilienportal bei einer gleichzeitigen Anbindung an die Arbeitsplattform KWIS bei der Wirtschaftsförderung. Dr. Blümling stellte die technischen und organisatorischen Bausteine des FLITZ-Ansatzes vor und verwies in seiner abschließenden Einschätzung auf den gelungenen, aber noch ausbaufähigen Start der Gewerbeimmobilienbörse im Internet. Jedoch seien technische Lösungen kein Selbstläufer, es bedürfe eines verwaltungsinternen "Kümmerers", der von einem ämtergreifenden Team unterstützt wird.

Kommunikation zwischen Kommune, Flächeneigentümern und potenziellen Nutzern zur Aktivierung von Gewerbeflächenpotenzialen (REFINA-Vorhaben FLITZ ) (pdf, 683 kB)
Dr. Stefan Blümling

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