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3. - 4.3.2008

Nachhaltigen Umgang mit Fläche kommunizieren
2. REFINA-internes Statusseminar durchgeführt

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Die Teilnehmer des Statusseminars

Am 3. und 4. März 2008 trafen sich 153 Beteiligte aus über 40 REFINA-Forschungsverbünden im Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) in Berlin zum zweiten Statusseminar des BMBF-Förderschwerpunkts "Forschung für die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und ein nachhaltiges Flächenmanagement" (REFINA). Die Veranstaltung widmete sich möglichen Lösungsansätzen zur Erreichung der in der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes formulierten flächenpolitischen Ziele.

Dr. Arno Bunzel, Difu

Dr. Arno Bunzel, stellvertretender Leiter des Difu, begrüßte die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Statusseminars. Einleitend referierte Dr. Birgit Metz (Bundesministerium für Bildung und Forschung) über die Stellung von REFINA innerhalb der Nachhaltigkeitsforschung des Bundes, führte die bisherigen Ergebnisse des Förderschwerpunkts aus und ging auf die Erwartungen an die Resultate von REFINA ein. Von Seiten des Projektträgers Jülich gab Maike Hauschild einen Überblick über die bisherigen und bevorstehenden Aktivitäten im Förderschwerpunkt.

Im Mittelpunkt des ersten Veranstaltungstages stand das Thema "Kommunikation von Nachhaltigkeit". Mit Aspekten der Kommunikation befassen sich fast alle REFINA-Forschungsvorhaben, sowohl in Bezug auf Prozesse innerhalb der Forschungsverbünde sowie mit den beteiligten Modellstädten und -regionen als auch bei der Entwicklung von Kommunikationsmethoden und -werkzeugen für die Ansprache von Zielgruppen und Milieus zum Transport flächennutzungsrelevanter Erkenntnisse und Botschaften. Daher bestand ein großes Interesse am Austausch über dieses Thema.

Vortrag Prof. Dr. Clemens Schwender

Den einleitenden Vortrag zum Thema hielt Prof. Dr. Clemens Schwender (Jacobs Universität Bremen), der neue Erkenntnisse aus der Nachhaltigkeitskommunikation vorstellte und Anknüpfungspunkte für Kommunikationsprozesse im Rahmen von REFINA aufzeigte. Dabei spannte sich der thematische Bogen von kommunikationsrelevanten Inhalten und Botschaften über die adressierten Zielgruppen (z.B. Kommunalpolitik und -verwaltung, Hauseigentümer, Bauwillige), Kommunikationsformen und -kanäle, die Mitgestaltung der öffentlichen Debatte bis zu den mit Hilfe von Kommunikation zu erzielenden Veränderungen bei Einstellungen und im Handeln von Akteuren.
Besonders anschaulich wurde der Einsatz von visuellen Medien zur Kommunikation von Flächenbelangen in dem anschließend aufgeführten Animationsfilm "Wissenswertes aus Bad Neubau", der im REFINA-Vorhaben "Zukunft Fläche" der Metropolregion Hamburg entstand.

Arbeitsgruppen-
Flipchart

Rebecca Eizenhöfer, FH Erfurt, Vortrag in der Arbeitsgruppe

Vertieft wurde der zentrale Aspekt der Kommunikation in fünf parallelen Arbeitsgruppen zu den den Themen Zielgruppenansprache und Milieus, Boden- und Flächeninformationen, Ansprache und Aktivierung privater Akteure, Kosten der Flächeninanspruchnahme und interkommunale Kooperation. Basis der Diskussion in den Arbeitsgruppen bildeten Impulsbeiträge aus den laufenden REFINA-Vorhaben wie u.a. "Flächenbarometer", "Nachhaltiges Flächenmanagement Hannover", "KomKoWo", "Kostentransparenz", "HAI", "KMU entwickelt KMF", "REGENA" "Stadt-Umland-Modelkonzept Pinneberg/Elmshorn" sowie vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR).

Die Kommunikation einer nachhaltigen Flächennutzung, insbesondere flächenpolitischer Nachhaltigkeitsziele, erweist sich – so die bisherigen Erfahrungen – in der Praxis als schwierig. Die Untersuchungen ergaben, dass die meisten Vermittlungsansätze zu komplex angelegt sind und zu viele und zu heterogene Botschaften bzw. zu allgemeine Aussagen transportieren. Wichtige Adressaten wie Kommunalpolitik und -verwaltung, bau- und umzugswillige Privathaushalte, Grundstückseigentümer/innen sowie Wirtschaft, Gewerbe und Einzelhandel werden nur durch eine zielgruppen- und milieugerechte Ansprache erreicht. REFINA kann mit der Entwicklung passender Werkzeuge und strategischer Vorgehensweisen einen wichtigen Beitrag zur Überwindung bestehender Hindernisse leisten, so die Einschätzungen aus den Arbeitsgruppen. Gleichwohl stehen die Bemühungen um eine zielgerichtete und erfolgreiche Kommunikation vielerorts erst am Anfang.

Der erste Veranstaltungstag wurde durch Videovorführungen zum Flächenthema sowie durch Informationsstände und den informellen fachlichen Austausch der REFINA-Community abgerundet.

 

Ulrich Kriese, NABV e.V.

Dr.-Ing. Matthias Buchert, Öko-Institut e.V.

Der zweite Tag des Statusseminars widmete sich schwerpunktmäßig sechs REFINA-Vorhaben, deren Laufzeit in Kürze endet. Sie stellten im Plenum ihre zentralen Forschungsergebnisse dar. Ulrich Kriese vom NABU e.V. präsentierte aus dem Vorhaben "Flächenakteure zum Umsteuern bewegen!" zentrale Ergebnisse aus Analysen und Befragungen zur Bewusstseinsbildung und Kommunikation für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung.

Aus dem Vorhaben "komreg – Kommunales Flächenmanagement in der Region" präsentierten Dr.-Ing. Matthias Buchert (Öko-Institut e.V.) und Katharina Koch (Stadt Freiburg) die Ergebnisse von Untersuchungen zu den Baupotenzialen in der Innenentwicklung in Freiburg und zehn Gemeinden in den Landkreisen Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald, die in Szenarien der Siedlungsflächenentwicklung für Wohnbauflächen münden und verschiedene Entwicklungspfade für die Region bis 2030 aufzeigen werden.

Heinz-Peter Klein, LEG Saar mbH

Prof. Dr. Peter Doetsch, RWTH Aachen

Heinz-Peter Klein (LEG Saar mbH) und Prof. Dr. Peter Doetsch (RWTH Aachen) stellten die Ergebnisse aus dem Vorhaben "Flächenkonstanz Saar" vor. Im Mittelpunkt der Untersuchungen standen Möglichkeiten, im Saarland einen Neuflächenverbrauch von "Null" zu erreichen. Hierfür wurde ein modellhaftes Konzept zur Erreichung einer konsensgetragenen Flächenkonstanz entwickelt, das einen Mix planerischer, finanzieller und kooperativer Ansätze für die saarländischen Kommunen beinhaltet. Dieses soll Lösungswege für eine Anpassung der Flächeninanspruchnahme an die demografischen Entwicklungen bieten und schließt Vorschläge für staatliche Anreizprogramme zur Reduzierung des Flächenverbrauchs ein.

Dem Thema Konversion widmete sich Prof. Dr.-Ing. Christian Jacoby (Universität der Bundeswehr, Neubiberg b. München) bei der Präsentation der Forschungsergebnisse aus dem Vorhaben "Konversionsflächenmanagement zur nachhaltigen Wiedernutzung freigegebener militärischer Liegenschaften (REFINA-KoM)". Im Mittelpunkt standen dabei neu entwickelte Kooperations- und Steuerungsmodelle, Entwicklungs- und Vermarktungsstrategien für Konversionsprojekte sowie die Bildung von Strategietypen für Konversionsprojekte in Abhängigkeit von Vermarktungs- und Wertentwicklungspotenzial sowie den jeweiligen räumlichen Rahmenbedingungen.

Ingo Quaas, Bauhaus Universität Weimar

Die Ergebnisse des Vorhabens "Die städtebauliche Optimierung von Standortentwicklungskonzepten belasteter Grundstücke (OPTIRISK)" wurden von Ingo Quaas (Bauhaus Universität Weimar) präsentiert. Im Mittelpunkt stand die Optimierung von Standortentwicklungskonzepten für belastete Grundstücke durch die frühzeitige Integration technischer, ökologischer und abfallrechtlicher, juristischer und ökonomischer Belange mit städtebaulichen Aspekten. Auf dieser Basis entwickelte Stadtentwicklungskonzepte ermöglichen eine Optimierung des Investitionsbedarfes mit dem Ziel der Verbesserung der Reaktivierungschancen belasteter Grundstücke.

Detlef Grimski, Umweltbundesamt

Michael König (Ingenieurgesellschaft für Umwelttechnik und Bauwesen Dr. Eisele GmbH) und Detlef Grimski (Umweltbundesamt) stellten die Resultate des Vorhabens "Integrale Sanierungspläne im Flächenrecycling" vor. Im Mittelpunkt stand die Erarbeitung einer Handlungshilfe für Behörden zum Umgang mit einfachen und integralen Sanierungsplänen als Instrument zur Förderung und Erleichterung des Flächenrecyclings auf kontaminierten Standorten.

Teilnehmerdiskussion

Podiumsdiskussion

Den Abschluss des Statusseminars bildete ein Podiumsgespräch zum Transfer der neu gewonnenen Erkenntnisse in die Praxis. Unter der Moderation von Silke Hildebrandt (Projektträger Jülich) diskutierten: Birgit Böhm (Birgit Böhm, Wolfgang Kleine-Limberg GbR), Simon Burger (Deutscher Städte- und Gemeindebund), Norbert Schröder-Klings (Stadt Freiburg), Hartmut Teichmann (Kreis Pinneberg) und Thomas Zill (Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen).

Podiumsdiskussion

Dr. Birgit Metz (BMBF), Teilnehmerdiskussion

Das Gespräch spiegelte die Erfahrungen aus den REFINA-Vorhaben, wonach eine Umsetzung der im Förderschwerpunkt entwickelten Instrumente, Strategien und Vorgehensweisen zur Erreichung flächenpolitischer Ziele nur gemeinsam mit den Kommunen erfolgen kann. Sowohl die Stärkung der interkommunalen Kooperation als auch verbesserte Informationen über vorhandene Flächenpotenziale zur Stärkung der Innenentwicklung sind dabei zentrale Ansatzpunkte für eine nachhaltige Flächennutzung. Eine adäquate Kommunikation gegenüber und zwischen den flächennutzungsrelevanten Akteuren auf Seiten von Politik, Verwaltung, Unternehmen und Bürgern ist dabei ein zentraler Schlüssel zum Erfolg.

Ingesamt machte das Statusseminar deutlich, dass Fragen der Kommunikation im Förderschwerpunkt REFINA auch weiterhin thematisiert werden sollten, um eine optimale Verbreitung der in REFINA erarbeiteten Ergebnisse sowie eine Anwendung der REFINA-Produkte in der Praxis des nachhaltigen Flächenmanagements in Kommunen und Regionen zu erreichen. Besonderes Augenmerk ist bei den REFINA-Produkten wie Handreichungen, Leitfäden, Fortbildungsprogrammen, Handbüchern etc. generell auf deren Praxisanwendbarkeit, Lesbarkeit, Übertragbarkeit sowie Anschlussfähigkeit an bestehende Planungen, Vorgehensweisen und Entscheidungsabläufe in den Städten und Regionen zu achten. So kann gezielt an der Überwindung bestehender Steuerungsdefizite, Denkbarrieren und Akzeptanzproblemen angesetzt werden – mit passenden und fachlich fundierten Lösungsansätzen sowie mittels geeigneter Kommunikation.


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Kontakt:
Dr. Stephanie Bock (Projektleitung), Tel.: 030/39001-189, bock@difu.de;
Thomas Preuß, Tel. 030/39001--265, preuss@difu.de
Jens Libbe, Tel. 030/39001--115, libbe@difu.de