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3. - 4.3.2008

Flächen sparen und intelligent nutzen – Neue Beiträge der Forschung für das nachhaltige kommunale Flächenmanagement in NRW

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Rund 240 Teilnehmer aus Kommunen, Behörden, Wissenschaft und Forschung besuchten am 8. Mai 2008 die REFINA-NRW-Regionalkonferenz in Bochum. Die von der NRW-Initiative "Allianz für die Fläche" ausgerichtete Veranstaltung richtete sich vorrangig an kommunale Akteure aus Ämtern, Behörden und Politik, um sie mit den neuesten REFINA-Forschungsergebnissen, Trends und Ansätzen zur Reduzierung der Flächeninanspruchnahme bekannt zu machen.

Nach der Begrüßung und Einleitung durch Prof. Dr. Wilhelm König vom MUNLV ordnete Staatssekretär Dr. Alexander Schink die REFINA-Aktivitäten des Landes in die NRW-Initiative "Allianz für die Fläche" ein. Dabei verwies er auf die Verantwortung der Kommunen als Träger der Planungshoheit für die Flächeninanspruchnahme und stellte fest, dass auch 2007 noch keine strukturelle Trendwende beim Siedlungsflächenwachstum erkennbar sei. Mit der anhaltenden Flächeninanspruchnahme sind eine ganze Reihe negativer ökologischer und ökonomischer Folgen verbunden, bspw. gehen landwirtschaftliche Produktionsflächen verloren und Hochwassergefahren wachsen.

Vor diesem Hintergrund hat die Umweltministerkonferenz auf Initiative des Landes NRW 2007 das Nachhaltigkeitsziel der Bundesregierung übernommen, bis 2020 die Flächeninanspruchnahme auf 30 ha pro Tag zu begrenzen. NRW selbst hat die Initiative "Allianz für die Fläche" ins Leben gerufen, um die relevanten Akteure im Bereich der Flächenpolitik aus Wirtschaft und öffentlicher Hand zusammenzubringen. Das Land erhofft sich von dieser Initiative, dass die erwünschten Maßnahmen zur Reduzierung der Flächeninanspruchnahme im Konsens zwischen allen Akteuren umgesetzt werden.

Nach einer kurzen Vorstellung des Forschungsverbundes REFINA durch Ajo Hinzen (Projektübergreifende Begleitung REFINA) beschrieb der Beigeordnete des Städte- und Gemeindebundes NRW Stephan Keller die kommunalen Anforderungen und Erwartungen an den Forschungsverbund. Einerseits sind vielfältige negative ökonomische und ökologische Folgen der Flächeninanspruchnahme zu beobachten; andererseits bedeuten Flächen immer auch Ressourcen für die Stadtentwicklung. Vor diesem Hintergrund und ausgehend von der Erkenntnis, dass eine Reduzierung der Flächeninanspruchnahme weder allein durch Appelle an den guten Willen der Akteure noch allein auf dem Verordnungswege durch den Gesetzgeber erreicht werden kann, formuliert Herr Keller drei wesentliche Anforderung an die Forschungsvorhaben in REFINA:

  1. Weiterentwicklung des analytischen und handlungsorientierten Instrumentariums zur Aktivierung von Brachflächen und Innenbereichspotenzialen
  2. Entwicklung von einfach zu handhabenden Instrumenten zur Rationalisierung von flächenbezogenen Entscheiden, insbesondere zu den ökonomischen Folgen der Flächeninanspruchnahme
  3. Entwicklung und Erprobung neuer Kooperationsformen der Akteure und zur interkommunalen Zusammenarbeit und von Flächenmanagementtools

Moderiert durch Prof. Dr. Rainer Danielzyk vom ILS NRW, Dr. Rolf Heyer von der LEG NRW und Mathias Peck vom MUNLV, stellten insgesamt neun Projekte aus dem REFINA-Verbund in drei Themenblöcken zur Schärfung vorhandener und Einführung innovativer Instrumente, neuen Formen der Zusammenarbeit beim Flächenmanagement sowie Kommunikation und Bewusstsein ihre bisherigen Erkenntnisse und Ansätze für die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme vor. Ergänzt wurden diese Präsentationen durch einen Markt der Möglichkeiten, auf dem sich 16 weitere Projekte mit Postern, Präsentationen und Informationsmaterial den Besuchern vorstellten.

Die REFINA-NRW-Regionalkonferenz schloss mit einer Interviewrunde mit Dr. Christian von Kraack vom Landkreistag NRW, Axel Welge vom Städtetag NRW und Prof. Dr. Wilhelm König vom MUNLV NRW, die von Ajo Hinzen moderiert wurde. Im Ergebnis wurde folgendes hervorgehoben:

Bereits heute weist NRW im Ländervergleich einen unterdurchschnittlichen Flächenverbrauch auf: Bei etwa ¼ der Bevölkerung der Bundesrepublik nimmt das Land lediglich 1/8 des Gesamtverbrauchs in Anspruch. Der demografische Wandel könnte einen Beitrag dazu liefern, dass sich die Entwicklung im Land mittel- und langfristig weiter reduziert. Die Aufgabe Flächensparen wurde in den Städten zwar bereits seit 20 Jahren erörtert, doch zeigt sich immer noch, dass die Konkurrenz der Städte um Bevölkerung und Arbeitsplätze so groß sei, dass bislang kein Durchbruch erreicht werden konnte. Insbesondere die ländlichen Gemeinden sehen die Flächenentwicklung als entscheidende Entwicklungsressource an.

Flächensparpolitik steht nicht in Konkurrenz zu Klimaschutzpolitiken, wie der diesbezügliche Beschluss des Städtetages zum Klimaschutz durch Städtebau zeige: das Leitbild der zentralen Orte, Strategien zur Nutzungsmischung und zur Reduzierung der Flächeninanspruchnahme zur Sicherung von Freiräumen in der Stadt für Frischluftschneisen stellten geeignete Anpassungs- und Vorsorgestrategien an den Klimawandel dar.

Die Gesprächsrunde wünscht sich von den REFINA-Projekten eine starke Vernetzung mit der Praxis und eine interdisziplinär ausgerichtete Forschung. Die Erkenntnisse aus den Projekten sollen möglichst zielgruppengerecht aufbereitet werden: technische Instrumente für die Verwaltungen, Entscheidungsgrundlagen für die Politik, Kampagnen zur Stärkung der Problemorientierung bei den Bürgerinnen und Bürgern.

Die Forschungserkenntnisse sollten bis über das Jahr 2020 hinaus langfristig gesichert und zugänglich gemacht werden. Einfach zu bedienende Programme zur Kalkulation der Folgekosten von Siedlungserweiterungen werden in den Verwaltungen benötigt, um sichere Entscheidungsgrundlagen für die Politik zu liefern.

Das MUNLV sieht sich als Multiplikator für die Erkenntnisse aus dem REFINA-Verbund und erklärt sich bereit, sich an der Verbreitung dieser Erkenntnisse durch geeignete Medien zu beteiligen, wobei bspw. fiskalische Aspekte wie die Ermittlung von Folgekosten der Siedlungsentwicklung im Vordergrund stehen könnten.

Alle drei Gesprächspartner sehen den Forschungsverbund auf dem richtigen Weg zu einer effektiven Flächensparpolitik. Projekte und Praxis sind gut miteinander vernetzt und koordiniert; die neuen ökonomischen / fiskalischen Erkenntnisse und Argumente stellen sich als schlagkräftig und überzeugend dar. Wünschenswert wäre noch die bessere Integration des Klimaschutzes in das Handlungsfeld, bspw. bei der Darstellung der Folgekosten der Siedlungsflächenentwicklung.

In seinem Schlusswort würdigte Herr Prof. König die REFINA-NRW-Regionalkonferenz. Sie hat einen guten Überblick über die Arbeitsstände in den Projekten geliefert und den Praktikern in den Kommunen gute und wichtige Anregungen für ihre Arbeit und Argumente zur Reduzierung der Flächeninanspruchnahme geliefert. Die hohe Aufmerksamkeit bei den Vorträgen, rege Diskussionen im Plenum und in den Pausen sowie der Andrang auf dem Markt der Möglichkeiten verdeutlichen die Relevanz des Themas und die Qualität der Veranstaltung. Für das Land NRW stellt er weitere Aktivitäten zur Verbreitung der Erkenntnisse aus dem Forschungsverbund REFINA in Aussicht. Mit einem herzlichen Dank an Teilnehmer, Referenten und Organisatoren schloss er die Veranstaltung.