REFINA

Startseite | Sitemap | Kontakt | Impressum | Datenschutz | English

BMBF-Fördermaßnahme „Forschung für die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und ein nachhaltiges Flächenmanagement“ (REFINA)

REFINA > REFINA-Veröffentlichungen > Fachveranstaltungen > BMBF-Fördermaßnahme „Forschung für die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und ein nachhaltiges Flächenmanagement“ (REFINA)

Wege zum nachhaltigen Flächenmanagement
Protokoll zum 3. REFINA-Statusseminar am 23. und 24. März 2009 in Berlin


Erster Veranstaltungstag, 23. März 2009

zur Programm-Übersicht Linkpfeil

13:00 Uhr, Montag, 23. März 2009

Block I: Ziele

Begrüßung
Prof. Dr. Frieder Meyer-Krahmer, BMBF

Frieder Meyer-Krahmer
Frieder Meyer-Krahmer

Herr Prof. Dr. Meyer-Kramer begrüßte die Teilnehmer. Er stellte die Fördermaßnahme REFINA (Forschung für die Reduktion der Flächeninanspruchnahme und ein nachhaltiges Flächenmanagement), für die Fördermittel in Höhe von 22 Mio. Euro bereit gestellt wurden, als Teil des BMBF-Rahmenprogramms „Forschung für die Nachhaltigkeit“ (FONA) vor. Er verwies auf die Bedeutung des nachhaltigen Umgangs mit der Ressource Fläche. Ziel sei mit Forschung unter Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Praxispartner Beiträge zur Reduzierung der Flächeninanspruchnahme auf 30 ha pro Tag im Sinne der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie zu leisten.

Herr Prof. Dr. Meyer-Kramer betonte, dass die Reduktion der Flächeninanspruchnahme ein wichtiges Ziel der Bundesregierung sei. Er verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Rede der Bundeskanzlerin bei der Jahreskonferenz des Rats für nachhaltige Entwicklung im November 2008. Weiterhin befasse sich der Staatssekretärsausschuss für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern mit dieser Zielstellung.

Herr Meyer-Kramer dankte abschließend allen für ihr bisher eingebrachtes Engagement in REFINA, wünschte allen Beteiligten viel Erfolg für die Veranstaltung und insbesondere für die rasche Umsetzung und Verbreitung der Ergebnisse in die Praxis.


13:15 Uhr, Montag, 23. März 2009

Flächeneffizienz und nachhaltiges Flächenmanagement – Herausforderungen an  zukunftsfähige Gesellschaften
Prof. Dr. Klaus Töpfer, stellvertretender Vorsitzender des Rats für Nachhaltige Entwicklung

Klaus Töpfer
Klaus Töpfer

Nachfrage: Frauke Burgdorff, KLaus Töpfer
Nachfrage: Frauke Burgdorff,
Klaus Töpfer

Herr Prof. Dr. Töpfer warf eingangs die Frage auf, wie sich langfristige Ziele erreichen ließen. Es sei Vorsicht geboten, wenn keine klaren Zwischenziele formuliert werden. Bezogen auf das Flächenziel sei der Rat für Nachhaltige Entwicklung sehr dankbar dafür, dass das 30 ha-Ziel in die Nachhaltigkeitsindikatoren der Bundesregierung aufgenommen worden sei. Eine nachhaltige Gesellschaft könne nur erreicht werden, wenn die Wegwerfmentalität überwunden werde. Beispiel: Die Natur kenne den Begriff Abfall nicht, daher müsse es das Ziel sein, in Kreisläufen zu denken und Ressourcen zu erhalten. Der vom BDI eingebrachte Begriff des „Urban Mining“ sei hier eine interessante Idee. Ähnliches gelte für Wasser: die Weltwasserkrise bezeichnete er nicht als Ressourcenkrise sondern als eine Krise des Umgangs mit Wasser.

Herr Prof. Dr. Töpfer betonte, dass es gerade jetzt notwendig sei das Thema Nachhaltigkeit zu betonen. Derzeit würde die durch eine aufgeblähte Geldmenge verursachte Krise mit der Aufblähung von Geldmenge bekämpft. Dies sei keine nachhaltige Strategie und kein „Green Deal“. Genau genommen hätten wir es heute mit zwei Krisen zu tun, die jedoch mit einer gemeinsamen Strategie gelöst werden müssten. In den jetzt ausgelösten Konjunkturprogrammen würde sich dies jedoch nicht widerspiegeln. Statt neue Straßen zu bauen wäre es beispielsweise sinnvoller, den Aufbau von Nahwärmenetzen zu fördern.

Herr Prof. Dr. Töpfer hob hervor dass wir den Recycling-Ansatz auch im Bereich von Flächen benötigten. Hierfür sei es notwendig einen Satz von Sanierungswerten und  -anforderungen zu schaffen. Neben dem Flächenrecycling bedürfe es eines Gebäuderecyclings. Die Lebenszeiten von Gebäuden seien derzeit tendenziell sinkend, was mit Spekulation um die Flächen zu tun habe, auf denen diese Gebäude stehen würden. Wissenschaft habe hier Hilfestellung zu geben und der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Falsifizierung sei Wissenschaft, Verifizierung sei Ideologie.

In der Planung sollte genauer geschaut werden, welche Normen flächenrelevant seien. Abstandskennzahlen in der Baunutzungsverordnung seien wie viele andere Planungsrichtwerte überholt, für Straßennormen gelte das gleiche. Notwendig sei ein integratives Denken in der Planung. Leider sei die Integration von Funktionen immer noch nicht ausreichend auf der Agenda, im Gegenteil, die Zunahme von so genannten „Gated Communities“ sei ein Indikator für die Segregation. Ähnliches gelte für die Einkaufszentren an den Stadträndern, die auf viel zu billiger Mobilität beruhen würden.

Es gelte also umzusteuern und dies sei jetzt notwendig, in einer Zeit, in der viele Investitionen getätigt würden. Zentral sei dabei das Thema „Integration“. Der Rat für Nachhaltigkeit werde darauf weiterhin viel Wert legen.

Auf Nachfrage von Frau Burgdorf, ob es nicht einer stärkeren Einbindung der Bevölkerung bedürfe, entgegnete Herr Prof. Dr. Töpfer, dass wir dann Gefahr liefen, dass Politik sich mit diesem Argument jetzt vor Entscheidungen drücke. Partizipation sei wichtig, jedoch sollte das, was an Handlungsbedarf erkennbar da sei, jetzt politisch umgesetzt werden.

Eine weitere Nachfrage bezog sich darauf, wie die Lobby für die Fläche gestärkt werden könne. Es sei, so Töpfer, mehr Ehrlichkeit darüber notwendig, dass Strukturen geändert werden müssten, anstatt den Menschen Konsumgutscheine zu geben. Dies sei leider ein mühsamer Prozess, bei dem die Politik von Programmen wie REFINA lernen sollte.


14:00 Uhr, Montag, 23. März 2009

REFINA: Ziele und Erwartungen

Roundtable mit
Dr. Johannes Stemmler, BMVBS,
Peter Fritsch, BMU,
Dr. Birgit Metz, BMBF,
Jürgen Solms, Geschäftsstelle Rat für Nachhaltige Entwicklung,
Stefan Gloger, Umweltministerium Baden-Württemberg,
Maike Hauschild, Projektträger Jülich: REFINA – Forschung für die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und ein nachhaltiges Flächenmanagement, Folien (pdf, 228 kB)
Moderation: Frauke Burgdorff

Roundtable
Roundtable


Johannes Stemmler (links), Peter Fritsch (mitte), Maike Hauschild (rechts)
Johannes Stemmler (links),
Peter Fritsch (mitte),
Maike Hauschild (rechts)

Birgit Metz
Birgit Metz

Zum Einstieg richtete sich Frau Burgdorff an Frau Metz als Vertreterin des BMBF und fragte, mit welchen Überlegungen die Fördermaßnahme REFINA im Jahr 2004 nach intensiver Beratung mit den Beteiligten veröffentlicht worden sei. Zentral sei gewesen, so Frau Dr. Metz, das sperrige Thema „Reduktion der Flächeninanspruchnahme“ mit verschiedenen Facetten wie neue Methoden/Instrumente, integrierte Modellkonzepte,  Kommunikation und Beteiligung anzugehen. Damit sollte über Forschung insbesondere auch der Prozess der Bewusstseinsbildung „transportiert“ und befördert werden. Frau Hauschild vom Projektträger ergänzte, dass sich an den Zielen bis heute relativ wenig verändert habe. Entscheidend sei, dass in den Projekten über Zusammenarbeit und Austausch von Wissenschaft und Praxis der Kommunen das Thema „Reduzierung des Flächenverbrauchs“ mit Leben gefüllt worden sei. Herr Gloger unterstrich, dass es über REFINA möglich geworden sei, das 30 ha-Ziel nicht nur zu einem wissenschaftlichen Untersuchungsgegenstand sondern auch zu einem politisch relevanten Thema zu machen. Herr Dr. Stemmler vom BMVBS verwies auf die Schwierigkeiten, die 30-ha Orientierung in der Planung umzusetzen. Herr Fritsch betonte in diesem Zusammenhang die Vorbildfunktion der REFINA-Projekte. In der nahen Zukunft müsse noch mehr Energie in den Transfer von Know-how in die Praxis gesteckt werden. Herr Solms hob hervor, dass dies für den Rat zentral sei, weshalb ja auch ein Multiplikator wie das Difu angesprochen wurde. Herr Fritsch, Herr Gloger und Herr Solms verwiesen auf die zahlreichen Instrumente zur Kommunikation, die in REFINA entwickelt wurden.

Frau Burgdorff sprach anschließend das Thema der Transdisziplinarität und der Integration an. Herr Dr. Stemmler sah hier die Planung dem Grunde nach als prädestiniert an. Jedoch bestehe für die Entscheidungsträger das Problem, die Zukunft verlässlich einzuschätzen. Herr Frisch bemerkte dazu, dass Gemeinden permanent Entscheidungen unter Unsicherheit treffen würden. Frau Hauschild ergänzte, dass die Projekte hier zumindest Orientierungen geben könnten. Herr Gloger hob vor allem die in die Projekte einbezogene Praxis hervor. In Baden-Württemberg zum Beispiel seien die Bürgermeister, die an REFINA mitgewirkt hätten, heute die wichtigsten Multiplikatoren für das Thema. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung werde, so Herr Solms auf die Frage nach der Überzeugung der politischen Entscheidungsträger, diese Themen in der nächsten Zeit zentral auf die Agenda stellen.

Ausblickend in die Zukunft wünschte sich Frau Dr. Metz, dass die Reduktion der Flächeninanspruchnahme als Prüfkriterium in 10 Jahren zur Selbstverständlichkeit in Planungsprozessen geworden sei. Herr Dr. Stemmler erhoffte sich, dass das Reduktionsziel stärker von den Ländern und Kommunen angenommen worden sei. Herr Gloger konnte sich befristete Flächennutzungspläne vorstellen. Herr Fritsch erhoffte sich ebenfalls einen Bewusstseinswandel, so dass letztlich, so Frau Hauschild, das 30 Ziel in 10 bis 15 Jahren rückblickend nur als ein Zwischenziel angesehen werde, welches längst unterschritten worden sei.

Stefan Gloger (links) und Jürgen Solms (rechts)
Stefan Gloger (links) und Jürgen Solms (rechts)


zur Programm-Übersicht Linkpfeil

15:45 Uhr, Montag, 23. März 2009

Block II: Vertiefungen (Parallele Themenforen)

Forum I: Flächenbewertung

Vorfahrt für Innenentwicklungsvorhaben: Flächen integriert bewerten
Moderation: Ajo Hinzen (BKR)

15:45 Uhr, Forum I: Flächenbewertung, Montag, 23. März 2009

Mit Flächenbewertung zu einer Flächenkreislaufwirtschaft (Folien, pdf, 3.326 kB)
Dr. Fabian Dosch, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Die inhaltliche Begründung des Themenschwerpunkts 'Flächenbewertung' lieferte der Einführungsvortrag von Dr. Fabian Dosch. Er umriss das Thema integrierte Flächenbewertung, seine Bedeutung für das nachhaltige Flächenmanagement und für die nachhaltige Stadtentwicklung.

Fabian Dosch
Fabian Dosch

In seinem Vortrag beleuchtete Dr. Dosch den Flächenverbrauch für Siedlungszwecke und seine Entwicklung in Deutschland und gab Einblick in neuere Forschungserkenntnisse des BBSR. Ausgehend von einer kritischen Analyse des aktuellen Wissensstands formulierte er unter der Überschrift "Keine flächenpolitische Entwarnung!" folgende Schlüsselerkenntnisse zur Bewertung der Flächeninanspruchnahme:

Im weiteren Verlauf griff Dr. Dosch aktuelle Entwicklungen im Bereich der Flächenbeobachtung auf und stellte die Ergebnisse eines Forschungsvorhabens zu den Einflussfaktoren der Flächenneuinanspruchnahme sowie das Indikatorensystem des Nachhaltigkeitsbarometers Fläche vor (Weiterentwicklung im REFINA-Projekt 'Flächenbarometer'). Über Betrachtungen zur Flächenbewertung, Ressourceneffizienz und Flächenkreislaufwirtschaft kam er zu einem Überblick über die REFINA-Projekte, die in verschiedenen Handlungsfeldern neue Beiträge zur Flächenbewertung liefern. Seinen Einführungsvortrag beendete Dr. Dosch mit folgendem Fazit:


15:45 Uhr, Forum I: Flächenbewertung, Montag, 23. März 2009

Ausgewählte REFINA-Ergebnisse:
Flächenbarometer – Planungsgrundlage und Monitoring-Instrument (Folien, pdf, 2.806 kB)
Dr. Thomas Esch, DLR

Thomas Esch
Thomas Esch

Herr Dr. Esch stellte Ergebnisse des REFINA-Projektes "Flächenbarometer" vor. Das Flächenbarometer ist ein indikatorbasiertes Methodenset zur quantitativen und qualitativen Erfassung und Bewertung der Flächeninanspruchnahme; es wurde im gleichnamigen REFINA-Projekt entwickelt. Es basiert in seiner Basisversion auf bundesweit verfügbaren statistischen, Geobasis- sowie Fernerkundungsdaten. Je nach vorliegenden Daten können die Indikatoren auf regionaler, kommunaler oder (stadt-)teilräumlicher) Bezugsebene angewendet werden. Die Einsatzmöglichkeiten werden dabei von der Auflösung der vorliegenden Satellitendaten bestimmt (Landsat ~ 50m).

Ausgehend von einem umfassenden, wissenschaftlich bestimmten 41-teiligen Indikatorenkatalog zur Beschreibung von Stand und Entwicklung der Flächennutzung erfolgte auf der Basis einer Einsatz- und Evaluierungsphase durch Modellregionen und Praxispartner die Reduzierung auf 16 Kernindikatoren. In einem stadtplanerischen Praxistest wurde überdies die Frage positiv geklärt, ob das Indikatorenset die Nachhaltigkeit einer kommunalen Flächenentwicklung darstellen könne.

Die Anwendung des Methodenset wird durch eine (prototypische) Software zur Verarbeitung von Statistiken, Geodaten und Fernerkundungsdaten (regional, kommunal, stadtteilbezogen) erleichtert. Eine Webanwendung befindet sich in der Entwicklungs- und Aufbauphase.

Das Einsatzspektrum des Flächenbarometers erstreckt sich von der Planung über die Beratung bis zum Monitoring der Flächennutzung und ihrer Entwicklung.

In der Praxisanwendung zeigte sich, dass die quantitative Interpretation mehrerer Indikatoren die Bewertung von Nachhaltigkeit der Flächeninanspruchnahme ermöglicht. Die Indikatoren sollten jedoch nicht isoliert betrachtet werden; ihre Interpretation bedarf des fachkundigen Hintergrundwissens.

Im weiteren Verlauf präsentierte Herr Dr. Esch beispielhaft erste Ergebnisse des Flächenbarometers zum Stand und zur Entwicklung der Flächennutzung in Deutschland und in Teilräumen (Beispielregionen) und zeigte die unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten auf (Darstellung der tatsächlich versiegelten Flächen, Durchgrünung, Evaluierung von Raumordnungsplänen u.a.). Die zukünftig verstärkt mögliche Nutzung von hoch auflösenden Hyperspektral- und Höhendaten erlaube noch weit darüber hinausgehende Anwendungsmöglichkeiten bspw. in der Stadtklimatologie.

Insgesamt zeigte Dr. Esch das hohe Potenzial von Fernerkundungsdaten als Informationsgrundlage und Monitoringinstrument für ein nachhaltiges Flächenmanagement auf; dies gelte auch im Hinblick auf eine kleinräumiger Maßstabsebene (z.B. Blockstruktur, Flurstücken) sowie im Hinblick auf erweiterte Indikatoren (z.B. Stadtklima).


15:45 Uhr, Forum I: Flächenbewertung, Montag, 23. März 2009

Integriertes Bewertungsmodell des Regionalen Gewerbeflächenpools Neckar-Alb (Folien, pdf, 801 kB)
Dr. Bernd Murschel, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen

Bernd Murschel
Bernd Murschel

Dr. Murschel stellte in seinem Vortrag die integrierte und konsensorientierte Flächenbewertung für eine nachhaltige Regionalentwicklung vor, die im Rahmen des REFINA-Projektes Regena ­– Regionaler Gewerbeflächenpool Neckar-Alb entwickelt wurde.

Ausgangspunkt für die Entwicklung des Instruments war die Erkenntnis der Praxispartner im Regionalverband Neckar-Alb, dass die bislang betriebene Flächenvorratspolitik im Gewerbesektor bei sinkenden Einwohnerzahlen und abnehmender Nachfrage im Ergebnis zu einer erheblichen finanziellen Belastung der Kommunalhaushalte führe. Zur Vermeidung eines ruinösen Wettbewerbs beschlossen die beteiligten Gemeinden deshalb den Aufbau eines Flächenpools, in dem die vorhandenen Standortqualitäten und ‑perspektiven gesichert werden können. Aufgabe des Projektes war es, ein praktikables Bewertungsverfahren für eine gerechte Aufteilung der Fondsanteile unter Berücksichtigung der Eigenschaften jeder Fläche im Vergleich mit den anderen Poolflächen zwischen den Partnern zu entwickeln.

Bewertungskriterien und -indikatoren wurden für die drei Handlungsfelder Ökonomie, Ökologie und Städtebau erstellt, die jeweils mit unterschiedlichen Wichtungsfaktoren berechnet werden.

Im Ergebnis liegt ein Bewertungstool für die planungsrechtlich erschlossenen Flächen der Mitgliedsgemeinden vor. Viele Anfragen an den Pool zeigen das große Interesse an dem Modell. Das Modell biete den methodischen Ansatz für eine Erweiterung um Brachen und Ausgleichsflächen. Die Wahl und Gestaltung der richtigen Organisationsform (Zweckverband / öffentlich-rechtl. Vertrag) habe sich als komplexer herausgestellt, als die Bewertung der Poolflächen. Erfolgsvoraussetzung für das Bewertungsmodell war die konsensuale Erarbeitung unter Beteiligung der politischen Entscheidungsträger (Bürgermeister).


15:45 Uhr, Forum I: Flächenbewertung, Montag, 23. März 2009

Neue Tools für die Flächenbewertung – Innovationen für die kommunale Praxis (Folien, pdf, 1.729 kB)
Dr. Silke Höke, Fachhochschule Osnabrück, Detlef Gerdts, Stadt Osnabrück

In ihrem Gemeinschaftsvortrag befassten sich Herr Gerdts, Stadt Osnabrück ("Deutschlands heimliche Bodenhauptstadt") und Frau Dr. Höke, FH Osnabrück, mit der Funktionsbewertung von Böden, insbesondere Stadtböden, als Grundlage einer qualitativen Planung.

Das REFINA-Projekt 'Urbane Böden' befasst sich weniger mit den quantitativen Zielen der Nachhaltigkeitsstrategie, sondern vielmehr mit den qualitativen Zielen einer nachhaltigen Flächennutzung; hierbei steht der Boden und seine Funktionen im Sinne BBodSchG im Fokus des Interesses.

Silke Höke
Silke Höke

Zunächst stellte Herr Gerdts aus städtischer Sicht die Grundlagen und Vorgehensweisen für die Berücksichtigung von Bodenbelangen in der Planung von Osnabrück vor. Ausgehend von den bodenfachlichen Anforderungen an ein Bewertungssystem und einer Darstellung der hierfür notwendigen Eingangsdaten zeigte er anhand eines konkreten Beispiels den Ablauf und die Ergebnisse eines Bewertungsvorganges. Das Verfahren und seine Durchführung sind in einem Kartier- und Bewertungsschlüssel für die Bodenfunktionen in Osnabrück fixiert.

Wesentlich für die Akzeptanz des Verfahrens seien aus Sicht der Stadt Osnabrück die einfache, transparente und nachvollziehbare Darstellung und Operationalisierbarkeit der Bewertungsergebnisse für die politischen Entscheidungsträger. Dass sich die Kosten für die Untersuchungen im Rahmen weniger tausend Euro beliefen, erhöhe die Bereitschaft zur Durchführung der Untersuchungen.

Lücken sah Herr Gerdts derzeit noch in wenigen fachlichen Details, vor allem aber in der Beschränkung auf Bebauungsplanverfahren im Innen- und Außenbereich, der Tatsache, dass schutzwürdige Böden dennoch bebaut würden (wenngleich die Eingriffe auf der Basis der Bewertung höher ausgeglichen würden, als bislang) und den bislang fehlenden bzw. sich in Entwicklung befindlichen fundierten Bewertungsverfahren für Stadtböden.

Frau Dr. Höke zeigte im zweiten Teil des Vortrages, wie die Erkenntnislücke zur Bewertung der Funktionen von Stadtböden geschlossen werden konnte. Ausgehend von den im BBodSchG definierten Bodenfunktionen und einer Ableitung von bodenspezifischen Zielen einer nachhaltigen Stadtentwicklung stellte sich die Aufgabe, ein konsistentes und belastbares Bewertungsverfahren für Stadtböden zu entwickeln; erschwert wurde die Aufgabe durch den Umstand, dass Stadtböden aufgrund ihrer jeweiligen Entstehungsbedingungen sehr heterogen sind.

Daher wurden im Testgebiet des Vorhabens die dort vorliegenden unterschiedlichen Stadtböden erschlossen, untersucht und die Ergebnisse in das niedersächsische Bodeninformationssystem NIBIS eingespeist. Die aufgenommenen und ermittelten bodenkundlichen Kennwerte und Parameter wurden mit den in der Methodendatenbank MeMaS vorliegenden Regelwerken und Modellierungsansätzen verglichen und für die Stadtbodenbewertung adaptiert.

Impressionen

Das Vorhaben konnte zeigen, dass Stadtböden mehr sind als nur Altlasten und Schmutz – sie erfüllen wie ihre natürlichen "Verwandten" auch alle Bodenfunktionen. Die wesentlichen Eigenschaften urbaner Böden konnten in die Bodenbewertung integriert werden.

Die Entwicklung der Funktionsbewertung gemäß BBodSchG sei allerdings aufgrund der Heterogenität von anthropogen überprägten Böden noch nicht abgeschlossen. Die Schlüssel sollten daher modular aufgebaut und in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden. Hierfür läge mit MeMaS_urban ein innovatives und länderübergreifendes Tool zur (urbanen) Bodenbewertung vor. Insgesamt stärke die Integration der urbanen Bodenqualitäten in die Bauleit- und Freiflächenplanung qualitative Aspekte der Innenentwicklung und reduziere Infrastrukturkosten.


zur Programm-Übersicht Linkpfeil

15:45 Uhr, Montag, 23. März 2009

Forum II: Folgekosten

Wer soll das bezahlen? Kosten der Siedlungsentwicklung transparent machen
Moderation: Thomas Preuß (Difu)

Herr Preuß leitet das Forum, das von etwa 50 Teilnehmer/innen besucht wurde, mit dem Hinweis ein, dass in den zurückliegenden zwei Jahren im REFINA-Querschnittsthema „Ökonomische Instrumente“ eine Fokussierung auf die Folgekosten der Siedlungsentwicklung erfolgte. Seither wurde ein reger Austausch zwischen zahlreichen REFINA-Vorhaben geführt. Die inzwischen erreichten Forschungsergebnisse sollen in diesem Workshop gebündelt dargestellt und diskutiert werden.


15:45 Uhr. Forum II: Folgekosten, Montag, 23. März 2009

Siedlung und Infrastruktur: was wir uns leisten und was es kostet (Folien, pdf, 199 kB)
Prof. Dr. Stefan Siedentop, IREUS Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung,  Universität Stuttgart

Den  Einführungsvortrag in Forum II hielt Prof. Dr. Stefan Siedentop vom IREUS Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung der Universität Stuttgart, der über langjährige Erfahrungen in der Untersuchung von Struktur und Kosten der Flächeninanspruchnahme verfügt. Er erläuterte die wesentlichen Kostenstrukturen und Rahmenbedingungen der Baulandentwicklung, bei denen das Erfordernis der Kostentransparenz bei der Siedlungsentwicklung sowie die Folgekosten für technische und soziale Infrastrukturen fokussiert werden. Im Weiteren stellte er die der Kostenseite gegenüberstehenden Einnahmepositionen vor.

Stefan Siedentop
Stefan Siedentop


15:45 Uhr. Forum II: Folgekosten, Montag, 23. März 2009

Ausgewählte REFINA-Ergebnisse:

Kostenoptimierung in der Flächennutzungsplanung – ein Kalkulationsmodell für die Bewertung potenzieller Wohnbauflächen (Folien, pdf, 1.641 kB)
Prof. Dr. Theo Kötter, Universität Bonn

Im Beitrag von Prof. Dr. Kötter aus dem REFINA-Vorhaben „FIN.30 – Flächen intelligent nutzen“ wurde das Kalkulationsmodell FIN.30 für die Bewertung potenzieller Wohnbauflächen vorgestellt. Es diene dazu, die Entscheidung für die Realisierung einer ökonomisch optimalen Siedlungsentwicklung vorzubereiten und zu unterstützen. Betrachtet würden der Ansatz zur Kalkulation baugebietsbezogener Kosten der Baulandentwicklung und die REFINAnzierungsansätze im Rahmen der Baulandbereitstellung. Darüber hinaus beschrieb Herr Prof. Dr. Kötter die Zusammenführung der Einzelkalkulationen im Rahmen einer gemeinsamen Betrachtung mehrerer potenzieller Wohnbauflächen innerhalb gleicher Bebauungsstrukturen und die Gewichtung von Kalkulationsergebnissen zur Ableitung von Baulandstrategien.

Theo Kötter
Theo Kötter


15:45 Uhr. Forum II: Folgekosten, Montag, 23. März 2009

Betrachtungen zur Wirtschaftlichkeit von Wohnsiedlungen auf kommunaler und regionaler Ebene (Folien, pdf, 776 kB)
Prof. Dr. Alfred Ruther-Mehlis, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen

Am Beispiel des REFINA-Vorhabens „komreg – kommunales Flächenmanagement in der Region“ stellt Alfred Ruther-Mehlis Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen der Siedlungsentwicklung im Bereich Wohnen vor, die als Grundlage für Szenarien der Bevölkerungs- und Siedlungsentwicklung auf kommunaler und regionaler Ebene in der Region Freiburg dienen. Hierfür würden unter anderem wohneinheitenbezogene Kostenkennwerte angewendet. Darüber hinaus würden die kommunalen Aufwendungen für die Baulandbereitstellung in Abhängigkeit von regionalen räumlichen Entwicklungsstrategien dargestellt.

Alfred Ruther-Mehlis
Alfred Ruther-Mehlis


15:45 Uhr. Forum II: Folgekosten, Montag, 23. März 2009

Rechnergestützte Bewertungstools zur Darstellung der fiskalischen Auswirkungen lokaler Wohnsiedlungsentwicklung (Folien, pdf, 1.983 kB)
Andrea Dittrich-Wesbuer, ILS Institut für Landesund Stadtentwicklungsforschung gGmbH, Dortmund und Dr.-Ing. Jens-Martin Gutsche, Gertz Gutsche Rümenapp Stadtentwicklung und Mobilität GbR

Frau Dittrich-Wesbuer präsentiert mit dem Softwaretool LEANkom das zentrale Ergebnis des REFINA-Vorhabens „LEAN2 – Kommunale Finanzen und nachhaltiges Flächenmanagement“. Das rechnergestütztes Bewertungstool LEANkom dient der Darstellung der fiskalischen Auswirkungen der lokalen Wohnsiedlungsentwicklung. Neben dem Aufbau und der Funktionsweise von LEAN kom stellte sie verschiedene Möglichkeiten der fiskalischen Bewertung kommunaler Siedlungsstrategien im Bereich Wohnen und die Integration von Bevölkerungsmodellen in die Kosten-Nutzen-Betrachtung vor.

Herr Dr. Gutsche präsentierte ausgewählte Ergebnisse des REFINA-Vorhabens „Wohn-, Mobilitäts- und Infrastrukturkosten – Transparenz der Folgen der Standortwahl und Flächeninanspruchnahme am Beispiel der Metropolregion Hamburg“. Im Mittelpunkt stehe das Softwaretool „Was-kostet-mein-Baugebiet.de“, das verschiedene Werkzeuge zur Abschätzung der Folgekosten von Baugebieten für die Kommunen und ihre Bürgerinnen und Bürger umfasse. Er erläuterte Aufbau, Funktionsweise und Einsatzmöglichkeiten dieser Folgekostenrechner zur Ermittlung der kommunalen Kosten für technische und soziale Infrastruktur.

Die Diskussionsbeiträge in Forum II fokussierten auf folgende zentrale Aussagen zum Thema Folgekosten:

Zu den vorgenannten zentralen Botschaften wurden weitere vertiefende Aspekte in die Diskussion eingebracht. So beständen noch Schwierigkeiten, den Nutzen von Flächenausweisungen für die Kommune korrekt zu erfassen. Betont wurde die Bedeutung der Einzelfallbetrachtung, die zur Beurteilung des Nutzens von Flächenausweisungen ausschlaggebend sei. Deshalb seien verallgemeinernde Tools problematisch. In diesem Kontext wurde auch herausgehoben, dass nicht nur objektivierte Daten erhoben würden, sondern diese auch zum Zwecke der politischen Einflussnahme verwertet werden könnten.

Es bedürfe zukünftig einer Differenzierung der Zuweisung von Kosten der Erschließung entsprechend der realen Kosten für die Erschließung konkreter Flächen. Bislang würden in den Kommunen z.B. die Betriebskosten für Infrastrukturen der Wasserver- und -entsorgung gleichmäßig auf alle angeschlossenen Grundstücke eines Ver- oder Entsorgungsgebiets – unabhängig vom jeweiligen Erschließungsaufwand und baulicher Dichte – verteilt.

Beim Vorrang der Innenentwicklung müssten die Folgen für Bodenpreise, Immobilienpreise sowie Mieten im Bestand beachtet werden. Es komme hier zu negativen Verteilungswirkungen und Vermögensumschichtungen. Prof. Dr. Siedentop differenzierte diese Aussage dahingehend, dass dies nur für wachsende Wohnungsmärkte gelte.

In der Diskussion um eine ideologische Sichtweise bei der Kostenermittlung stellte Herr Prof. Dr. Danielzyk für das vom ILS Dortmund verantwortete Projekt LEAN2 heraus, dass in diesem Projekt eindeutige Zahlen zu den Kosten ermittelt würden, um die Abwägung auf eine verbesserte Grundlage zu stellen. Dabei gehe es um die Herstellung von Kostentransparenz.

Die am Forum beteiligten Vertreter/innen aus REFINA-Vorhaben, in denen Modelle und Werkzeuge der Kosten-Nutzen-Betrachtung entwickelt werden, betonten ihr fachliches Interesse an der transparenten Darstellung von kurz-, mittel- und langfristigen Kosten und Nutzen der Siedlungsentwicklung und distanzierten sich zugleich von Mutmaßungen, mit Hilfe neu entwickelter Werkzeuge und Modelle einer ideologisch geführten einseitigen Debatte in Richtung Ausweisungs-Verzicht Vorschub leisten zu wollen. Vielmehr sei es der Vorteil derartiger Werkzeuge, sowohl in jedem Einzelfall eine detaillierte Analyse des Kosten-Nutzen-Verhältnisses durchführen als auch komplexere Entscheidungen über kommunale und regionale Flächenausweisungsstrategien unterstützen zu können.

Hinweis:
Die Inhalte der Präsentationen von Herrn Prof. Dr. Kötter, Herrn Prof. Dr. Ruther-Mehlis, Frau Dittrich-Wesbuer und Herrn Dr. Gutsche sind in Fachbeiträgen in folgender REFINA-Veröffentlichung ausführlich dargestellt: Thomas Preuß, Holger Floeting (Hrsg.): Folgekosten der Siedlungsentwicklung. Bewertungsansätze, Modelle und Werkzeuge der Kosten-Nutzen-Betrachtung, Berlin 2009, 192 S.; ISBN: 978-3-88118-443-4 (Beiträge aus der REFINA-Forschung, Reihe REFINA Band III)


zur Programm-Übersicht Linkpfeil

15:45 Uhr, Montag, 23. März 2009

Forum III: Kommunikation

Positiv denken: Abschied von der Verzichtskommunikation – Neue zielgruppenorientierte Kommunikationsstrategien zum Flächensparen
Moderation: Dr. Stephanie Bock (Difu)

Frau Dr. Bock leitet das Forum, das von etwa 50 Teilnehmer/innen besucht wurde, mit dem Hinweis ein, dass das Thema der Reduzierung des Flächenverbrauchs sich nicht allein durch Appelle vermitteln lasse. Es bedürfe intelligenter Kommunikationsstrategien, die in diesem Forum erörtert werden sollten. Als Gast eingeladen war Volker Linneweber als Umweltpsychologe ein ausgewiesener Experte zum Thema.

Forum III: Kommunikation


15:45 Uhr, Forum III: Kommunikation, Montag, 23. März 2009

Psychologische Aspekte der Kommunikation zum Thema Fläche (Folien, pdf, 848 kB)
Prof. Dr. Volker Linneweber, Universität des Saarlandes

Volker Linneweber
Volker Linneweber

In seinem Vortrag stellte Prof. Dr. Linnewerber mit Blick auf das Thema Fläche und Flächennutzung unterschiedliche Gegenstände und Formen der Kommunikation vor. In der Literatur gebe es laut Herrn Prof Dr. Linneweber keine Quellen zur „Psychologie der Fläche“. Es lasse sich jedoch einiges aus umweltpsychologischen Arbeiten lernen. Aktuell habe er gemeinsam mit einem Kollegen aus Kassel eine Enzyklopädie zur Umweltpsychologie entwickelt. Dort finde man Bezüge zum Thema Fläche in Beiträgen zu „Schall und Lärm“, „Schadstoffe und Altlasten“, „Atemluft und Gerüche“, „Dichte und Crowding“. Bezüge gebe es ferner in den Kapiteln zu Umwelten und ihren Nutzern (kleinräumig: Arbeitsumwelten, Wohnen und Nachbarschaft; großräumig: Landnutzung, Urbanisierung, Schutzgebiete), zu spezifischen Handlungsfeldern (Freizeit, Ästhetisierung des Alltags, Spielen und Lernen, Energie, Wasser, Abfall, Mobilität und Verkehr, Umweltkatastrophen), zu umweltschützendem Handeln (externe Bedingungen usw., Umweltplanung), zu Umweltrisiken und Umweltkommunikation (Risikokommunikation, Wahrnehmung und Bewertung von Umweltqualitäten, Mediation von Umweltkonflikten) und in psychologischen Beiträgen zur Planung und Gestaltung von Umwelten (Professionalisierung, Stadtplanung, Verkehr).

In seinem zweiten Punkt erläuterte Herr Prof. Dr. Linneweber unterschiedliche Formen der Kommunikation und unterschied dabei Face to Face (Suche nach Bestätigung, Bewertungssicherheit); Individuum-Institution (wertbezogene Anliegen); Individuen-Institution (gemeinsame Interessen); Individuen-Individuen (kontroverse Interessen) sowie Institutionen-Institutionen (Profilierung; „die“ Gesellschaft (Geschichte/ Kultur).

Abschließend hielt er fest, dass Kommunikation selten (nie?) deskriptiv sondern wertend sei, dabei gerne vergleichend, voreingenommen, selektiv, selbstdienlich, taktisch/strategisch, Einfluss nehmend (persuasive Kommunikation, entweder zentral direkt Einfluss nehmend oder peripher).

In seinem Fazit hob er hervor, dass Kommunikation und Überredung ein logischer Prozess seien, der auf einzelnen Schritten beruhe. Werde bereits der erste Schritt, etwa jener der Aufmerksamkeitserzeugung verletzt, so würden auch die weiteren Schritte keinen Erfolg haben.


15:45 Uhr, Forum III: Kommunikation, Montag, 23. März 2009

Gezielt suchen – besser wohnen: Integrierte Wohnstandortberatung (Folien, pdf, 1.374 kB)
Uta Bauer, Büro für integrierte Planung Berlin; Prof. Dr.-Ing. Christian Holz-Rau, Technische Universität Dortmund

Vorgestellt wurden zunächst die im Projekt identifizierten Informationsdefizite („Wahrnehmungslücken“) in der Beurteilung von Standorten und die darauf basierenden im Projekt entwickelten zwei Tools: a) ein GIS-gestütztes, internetbasiertes Wohnstandortinformationssystem und b) eine persönliche Wohnstandortberatung für umzugsinteressierte Haushalte.

Präsentation

Botschaften aus der ersten Projektphase seien: Service und transparente Information würden gesucht und keine Appelle. Niemand wolle sich „beraten“ lassen sondern gesucht würden Informationen. Für die Zukunft sei auch die emotionale Ansprache von Zielgruppen wichtig. Als Projekterfolg könne die starke Zunahme der Zugriffszahlen gewertet werden, die sich aus der Verlinkung mit anderen Seiten, wie Immobilienscout begründen lasse. Insgesamt sei die Nachfrage jedoch noch verhalten.

In der Diskussion wurde darauf hingewiesen, dass es letztlich auf eine rationale Aufklärung mit einer emotionalen Ansprache ankomme. Die Markttransparenz sei nicht von allen Marktakteuren gewollt. Seitens der Immobilienwirtschaft gebe es erhebliche Widerstände. Die Städte hingegen nähmen das Portal an, da sie davon profitierten. Es müsste nun erprobt werden, ob es in größeren Agglomerationen wirklich zu einem Beitrag zum Flächensparziel komme.


15:45 Uhr, Forum III: Kommunikation, Montag, 23. März 2009

Flächenmanagement im ländlichen Raum (Folien, pdf, 277 kB)
Birgit Böhm, Birgit Böhm Wolfgang Kleine-Limberg GbR, Hannover und Jürgen Lübbers, Bürgermeister der Samtgemeinde Barnstorf

Zu Beginn erläuterten Frau Böhm und Herr Lübbers kurz die Historie des Projekts. Sie machten deutlich, dass das Thema Fläche im ländlichen Raum zunehmend an Bedeutung gewinne, insbesondere auch durch Nutzungskonflikte als Folge der Produktion nachwachsender Rohstoffe. Im vorgestellten Projekt hätten sich in der Kommunikation Vorträge, Aktionen und „Gute Beispiele“ bewährt. Notwendig sei laut Frau Böhm und Herrn Lübbers ein synergetischer Ansatz unter frühzeitiger Einbeziehung der Einwohnerinnen und Einwohner. Es bedürfe des Zusammenwirkens unterschiedlicher Faktoren im Sinne eines Change-Managements-Prozesses. Der Erfolg zeige sich heute durch einen aktuellen Ratsbeschluss, der ein nachhaltiges Flächenmanagement ohne Neuausweisung beinhaltet.  REFINA sei dabei als Programm eine wichtige Unterstützung gewesen.

Jürgen Lübbers (links), Birgit Böhm
Jürgen Lübbers (links), Birgit Böhm (2. v. links)


15:45 Uhr, Forum III: Kommunikation, Montag, 23. März 2009

Neue Kommunikationsansätze in der Metropolregion Hamburg (Folien, pdf, 1.840 kB)
Katrin Fahrenkrug, Raum & Energie, Institut für Planung, Kommunikation und Prozessmanagement GmbH Wedel

Ausgangsüberlegung im Projekt und damit auch im Vortrag war, dass Fläche letztlich kein öffentliches Thema sei und Fläche wenn, dann nur moralisierend kommuniziert werde. Zielgruppe im Projekt sei ausschließlich die Kommunalpolitik. Das Thema werde im Kern über zwei Botschaften transportiert: a) Kosteneinsparung und b) Werterhalt von Immobilien. Der Zentrale Slogan „Mittendrin ist in“ werde jetzt in der gesamten Region genutzt. Als Medium der Kommunikation sei nach wie vor die Zeitung zentral. Bauausschussmitglieder würden (aufgrund finanzieller Restriktionen) über einen Newsletter (E-Mail) angeschrieben.

Katrin FahrenkrugPublikum
Katrin Fahrenkrug

Ziel des gewählten Kommunikationsansatzes sei es zunächst, Aufmerksamkeit zu erzeugen (1. Schritt der Kommunikation) und letztlich die multimediale Ansprache unterschiedlicher Zielgruppen zu erreichen. Eine Einschätzung des langfristigen Erfolgs sei jedoch derzeit noch offen.

Impressionen

Zweiter Veranstaltungstag 24. März 2009

zur Programm-Übersicht Linkpfeil

09:00 Uhr, Dienstag, 24. März 2009

Block III: Anwendungen

»Müssen wir das nur richtig verkaufen?« Kommunikation und die Rolle der Fachleute: Relativierungen, Missverständnisse & Folgerungen (Folien, pdf, 7.633 kB)
Prof. Dr. Klaus Selle, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

Aufbauend auf die Frage, wie man die Notwendigkeit des Flächensparens vermitteln kann, konstatiert Herr Prof. Dr. Selle zunächst, dass in REFINA doch eigentlich alles schon gemacht worden sei. Doch sei es überaus bedeutsam zu akzeptieren, dass Fachwissen, das nicht vermittelt werden könne, wertlos sei. Schon lange gebe es eine Fachdiskussion um Fläche und Flächensparen und dennoch sprächen im konkreten Fall die Umstände immer gegen dieses Ziel. In der Kommunikation müsse vielmehr das Richtige verkauft werden. Das bedeute, Flächenwachstum lasse sich nur bremsen, wenn Innenentwicklung – aus der Sicht der einzelnen Akteure – auch ökonomisch eine attraktive Alternative werde.

Klaus Selle/Frauke Burgdorff, Klaus Selle
Klaus Selle / Frauke Burgdorff, Klaus Selle

Dabei komme den Experten in der Kommunikation nicht die Aufgabe des „Verkaufens“ sondern der „Verständigung“ zu. Dies beinhalte zu akzeptieren, dass es viele verschiedene Gesichtspunkte und Logiken gebe, bei denen die Fachargumente nur einen Ausschnitt bilden. Im Fazit verwies er auf die Bedeutung des Verständnisses dieser Eigenlogik und die Notwendigkeit, die Rolle der Fachleute zu relativieren: Es gehe darum, soziale Aspekte (auch: Probleme) offen zu behandeln, nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen und selbstverständlich das alles kommunikativ zu gestalten.


10:30 Uhr, Dienstag, 24. März 2009

Anwenderforum: REFINA in der Praxis – Produkte und Prozesserfahrungen

Roundtable mit
Michael Heesch (Leiter FB Planen und Stadtentwicklung der Landeshauptstadt Hannover
Gabriel Schweitzer (Bürgermeister der Stadt Vogtsburg im Kaiserstuhl)
Dr. Günter Reinkober (stv. Amtsleiter Bauen, Denkmalpflege und Naturschutz, Landeshauptstadt Schwerin)
Martin Jürgens (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben)
Moderation: Frauke Burgdorff

Michael Heesch und Roundtable
Michael Heesch / Michael Heesch, Gabriel Schweitzer, Frauke Burgdorff, Günter Reinkober, Martin Jürgens


Landeshauptstadt Hannover – Nachhaltiges Flächenmanagement (NFM)

Herr Heesch berichtete über die Erfahrungen der Stadt Hannover mit dem Projekt NFM-Hannover. Er charakterisierte die Entwicklung Hannovers als „Wandel ohne Bevölkerungswachstum“. Das Stadtgebiet sei weitgehend bebaut, die Stadt besitze wenig landwirtschaftliche Flächen, weshalb im Stadtgebiet nur wenige „Reserveflächen“ im Freiraum vorhanden seien. Demgegenüber weise die Region sehr viele alternative Flächen auf.

Im Zusammenhang mit dem REFINA-Projekt – einem Fonds zur Reaktivierung von Brachflächen – erläuterte Herr Heesch, dass der Fonds selbst noch nicht realisiert sei, weshalb er den Schwerpunkt seines Beitrags auf die Bedeutung und den Nutzen der Grundlagenarbeiten zur Erfassung, Kategorisierung und Bewertung von Brachflächen im Stadtgebiet legte. Im erstellten Brachflächeninformationssystem BRAFIS werde das gesamte Wissen über Brachflächen zusammengeführt und zugänglich gemacht, was gegenüber dem bereits vorhandenen Baulückenatlas zu erheblichen Informationsgewinnen führe. Im Erarbeitungsprozess sei es zudem gelungen, die einzelnen Interessenten bezogen auf eine Fläche zusammenzuführen und eine Verständigung über die zukünftige Entwicklung der Fläche zu befördern.

Auf Rückfragen von Frau Burgdorff erläuterte Herr Heesch:


Stadt Vogtsburg – FLAIR

Gabriel Schweitzer, Frauke Burgdorff
Gabriel Schweitzer, Frauke Burgdorff

Herr BM Schweitzer berichtete aus der Stadt Vogtsburg im Kaiserstuhl, die als kommunaler Partner im Projekt FLAIR mitwirkte. Vor dem Hintergrund der Lage seiner Stadt in einem landschaftlich und naturschutzfachlich hochwertigen Raum betonte Herr Schweitzer den Grundsatz eines "wertigen" Umgangs mit Flächen in hochwertiger Landschaft. Dabei stellte er den positiven besetzten Begriffs des „wertigen“ Umgangs dem defensiven Charakter des "Flächen Sparens" gegenüber, das schwerer vermittelbar sei.

Anhand zweier kommunaler Projekte verdeutlichte Herr BM Schweitzer die kommunale Vorgehensweise. Nachdem zunächst in jedem der fünf Gemeindeteile ein eigenes Gewerbegebiet mit erheblichen Auswirkungen auf Natur und Landschaft sowie auf die Verkehrssituation in der Gemeinde geplant war, entschied sich die Stadt zum Verzicht auf diese verstreuten Gebiete. Stattdessen realisierte die Stadt Vogtsburg ein verkehrsgünstig gelegenes, interkommunales Gewerbegebiet außerhalb des Kaiserstuhls. In diesem Entscheidungsprozess war der Wert der Kulturlandschaft in den städtischen Gremien ein wichtiges politisches Argument und diente als Bewertungsmaßstab.

Das zweite zentrale kommunale Projekt sei der Erhalt und die nachhaltige Entwicklung der Gestalt der vorhandenen Ortslagen. Nachdem auf die Ausweisung neuer Wohnbaulandflächen verzichtet wurde (aufgrund der naturschutzrechtlichen Restriktionen sind auch kaum Flächen verfügbar), liege der Schwerpunkt auf der Innenentwicklung. Hierbei stehe im Vordergrund, leerstehende Gebäude und Gehöfte wieder zu nutzen. Dabei wies Herr BM Schweitzer darauf hin, dass die von der Stadt organisierte persönliche Beratung des Ortsplaners für Bürger und Bauplaner sowie finanzielle Anreize bei Eigentümern und Interessenten starke Wirkung zeige.

Insgesamt konnten – auch durch die flankierende Landesförderung in Höhe von rd. 7 Mio. EURO – ca. 150 leerstehende Gebäude wieder in Nutzung gebracht werden. Die Kleinteiligkeit innerhalb der Stadt ermöglichte auch, gezielt Nachkommen ortsansässiger Bürger anzusprechen und zu einer Rückkehr nach Vogtsburg zu bewegen. Angesichts der demografischen Entwicklung sei jedoch absehbar, dass die Thematik weiter aktuell bleiben wird. Es handele sich somit um eine langfristige Aufgabe.


Landeshauptstadt Schwerin – Wohnstandortberatung

Frauke Burgdorff, Günter Reinkober
Frauke Burgdorff, Günter Reinkober

Eingangs betonte Herr Dr. Reinkober, dass die Steuerung der Flächenentwicklung in der Kommune in erster Linie durch den aktuellen FNP erfolge. So würden in Schwerin beispielsweise geplante größere Wohnbauflächen auf der grünen Wiese gestrichen.

Mit dem REFINA Projekt Wohnstandort-Info möchte die Stadt Schwerin innerstädtische Wohnortpotenziale den Menschen nahebringen und sie dabei auch emotional ansprechen. Das Wohnstandort-Info sei eine neue Plattform mit einem Angebot an Wohnungssuchende. Die damit verbundene persönliche Beratung binde Menschen an Schwerin. Das entwickelte Internet-basierte Tool biete nicht nur Infos über Stadtteile. Jeder Interessent könne sich Wohnungsangebote durch Verlinkung mit entsprechenden Internet-Plattformen (Immoscout) sowie mit kommunalen Wohnungsunternehmen direkt anschauen.

Den REFINA-Zielen dient das Projekt laut Herrn Dr. Reinkober, indem das Tool aufzeigt, dass der Innenbereich nutzbar ist und dort Flächenreserven bestehen.

Frau Burgdorff problematisierte die Konsequenzen für die Stadtteile, die aufgrund ungünstiger Bewertungen im Wohnstandort-Info weniger nachgefragt sind und „durchs Raster fallen“. Herr Dr. Reinkober wies darauf hin, dass die Stadt zukünftig solche Stadtteile mit anderen städtebaulichen Instrumenten systematisch entwickeln müsse.


Martin Jürgens
Martin Jürgens

Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA)

Herr Jürgens von der BIMA benannte als zentrale Erfahrung aus den von der BIMA begleiteten Konversionsprozessen, dass die unterschiedlichen Logiken der vielen beteiligten Akteure erkannt und analysiert werden müssen. Dies sei eine wichtige Voraussetzung, um gegenseitig die Interessenlagen besser zu verstehen und daraus konsensfähige Lösungen entwickeln zu können.

Er verdeutlichte seine Erfahrungen am Beispiel des NATO-Flugplatzes Ahlhorner Heide. In Ahlhorn habe sich die BIMA die kommunalen Ziele für die Nachnutzung des Flugplatzes zu eigen gemacht und in den städtebaulichen Vertrag mit dem Investor eingebracht. Diese Vorgehensweise hielt unter Bezug auf EU-Recht der gerichtlichen Überprüfung nicht stand, weshalb nun eine große Zurückhaltung diesbezüglich bestehe. Zweite wichtige Erkenntnis aus dem Fall Ahlhorn ist lt. Herrn Jürgens, dass es in dem über längere Zeiträume laufenden Prozess der Vorbereitung einer Nachnutzung wichtig sei, dass Zwischennutzung ermöglicht werden. Man sitze hier genehmigungsrechtlich in der Regel „zwischen den Stühlen“. Es müssten jedoch jeweils genehmigungsrechtlich akzeptierte Lösungen gefunden werden, was eine entsprechende Flexibilität bei den zuständigen Stellen erfordere.


Abschlussrunde

Auf die abschließende Frage von Frau Burgdorff an die Diskussionsteilnehmer, was sie jeweils von den Erfahrungen der anderen lernen könnten, verwies die Stadt Hannover auf die positiven Erfahrungen der Wohnstandort-Info in Schwerin, die Stadt Schwerin auf die Bedeutung persönlicher Beziehungen und der direkten Ansprache der Eigentümer und Interessenten in der Stadt Vogtsburg. Die Stadt Vogtsburg führte mit Blick auf die BIMA aus, dass Konversion eine Chance und Herausforderung sei und deshalb „wertige“ Planung auch bei Konversion wichtig sei ebenso wie eine klare Position des Landes. Die BIMA bezog sich mit Blick auf Hannover auf die Bereitschaft, unterschiedliche Planungskulturen zu akzeptieren; es gehe, so die Schlussfolgerung, nur im Dialog.

Abschlussrunde und Publikum


12:00 Uhr, Dienstag, 24. März 2009

REFINA – Eine Bilanz für die Umsetzung

Roundtable mit Ländervertreter/innen
Frau Christina von Seckendorff (Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit)
Herr Detlev Geissler (Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt)
Herr Hans-Josef Düwel (Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen)
Herr Klaus Müller-Zick (Ministerium für Umwelt des Saarlandes)
Herr Burger (Deutscher Städte- und Gemeindebund)

Auf die eingangs gestellte Frage an die Gesprächsteilnehmer/innen nach den aus ihrer Sicht zentralen Ergebnissen aus REFINA, wurde einhellig hervorgehoben, dass die mit verschiedenen REFINA-Projekten nunmehr erreichte Kostentransparenz bei der Neuausweisung von Siedlungsflächen ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem effizienten Flächenmanagement sei.

Christina von Seckendorff
Christina von Seckendorff

Frau von Seckendorff verwies auf die mit den REFINA-Ergebnissen verbundene Unterstützung für das bayerische „Bündnis zum Flächensparen“. Seit 2003 seien bereits über 140 Einzelmaßnahmen von den bayerischen Bau-, Innen-, Wirtschafts- und Landwirtschaftsministerien entwickelt und umgesetzt worden. Mit REFINA sei das Thema nachhaltiges Flächenmanagement in der Diskussion mit Verantwortlichen und Bürgern deutlich herausgehoben.

Die REFINA-Ergebnisse zur Kostentransparenz und beispielsweise auch zur Ermittlung von Flächenpotenzialen in kleinen Kommunen helfen sehr in der Argumentation mit Interessenvertretern aus dem Bereich der Bauplanung. Während bislang eine eher praktische Behandlung des Themas erfolgt sei, liefere REFINA nunmehr den notwendigen theoretisch-wissenschaftlichen Hintergrund. Frau von Seckendorff betonte auch die Bedeutung der finanziellen Unterstützung der Kommunen beim nachhaltigen Flächenmanagement. Hier sah sie eine wichtige Rolle für die regional tätigen Sparkassen, die in diesen Prozess einzubinden seien. Auch der Bund solle in diesem Zusammenhang sein Engagement prüfen.

Zu der von allen Teilnehmern für eine Umsetzung der REFINA-Ziele als wichtig herausgestellte Aufgabe der Kommunikation hob Frau von Seckendorff die guten Erfahrungen ihres Ministeriums mit der entwickelten Ausstellung  "Wie wohnen – wo leben? Flächensparen – Qualität gewinnen" hervor. Hiermit gebe es landesweit die Möglichkeit für ihr Haus, unmittelbar mit lokal Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung sowie mit Bürgern über das Thema Flächenmanagement ins Gespräch zu kommen. Die REFINA-Ergebnisse sollte i.E. für die Verwendung gerade in kleineren Gemeinden zielgruppengerecht im Hinblick auf die Bürgermeister aufbereitet und übersetzt werden. Aus ihrer Sicht sei es sinnvoll, dass der Bund sein ambitioniertes Flächenziel aufrechterhalte; das Land Bayern unterstütze diese Bemühungen durch die Vermittlung praktikabler Hinweise und Handlungsempfehlungen.

Insgesamt sieht sie für die Bundesländer die vier grundlegenden Handlungsmöglichkeiten "Fördern, Informieren, Regulieren und Kommunizieren".

Herr Geissler sah aus Sicht des Freistaats Thüringen besonders die Förderung des Informationsaustauschs zwischen den unterschiedlichen Beteiligten und Interessengruppen als wichtiges Ergebnis aus REFINA an. Es sei gelungen, das Flächenmanagement als Leitsatz in das politische Programm der Landesregierung einzubringen sowie auch die Verankerung entsprechender Ziele in der Landes- und Regionalplanung.

Thüringen habe mit einer landesweiten Brachflächenerfassung den Kommunen und Kreisen das Potenzial an wiedernutzbaren Brachflächen deutlich gemacht. Für die Umsetzung verwies Herr Geissler auf ein neu aufgelegtes Förderprogramm des Landes, das mit der Dorferneuerung abgestimmt würde. Dabei sah er noch ein zusätzliches Potenzial durch Lenkung erforderlicher Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen auf brachliegende Flächen.

Detlev Geissler, Hans-Josef Düwel
Detlev Geissler, Hans-Josef Düwel

Herr Geissler betonte weiterhin die Bedeutung der Förderung von Modellprojekten, die als gute Beispiele für weitere Kommunen dienen sollten. REFINA-Ergebnisse sollten vor Ort in den Regionen und Kommunen präsentiert und kommuniziert werden. Dabei sollten Akteure aus den Projekten aus erster Hand über ihre Erfahrungen bei der Umsetzung der verschiedenen Instrumente des Flächenmanagements berichten. Für die Kommunen sei es wesentlich, konkret handhabbares Wissen über Methoden und Vorgehensweisen an die Hand gegeben zu bekommen.

Klaus Müller-Zick
Klaus Müller-Zick

Herr Düwel stellte eine eigene Bewertung des Landes NRW für die im Land tätigen REFINA-Projekte in Aussicht, der er hier nicht vorgreifen wollte. Aus Sicht Nordrhein-Westfalens und im Hinblick auf den derzeitigen Vorsitz von NRW in der Länderarbeitsgemeinschaft Bodenschutz sah er als wichtige Erkenntnis aus REFINA an, dass die Länder untereinander und mit ihren Kommunen Netzwerke bildeten. Die Projekte liefern konkrete, erfolgversprechende Vorschläge und Hinweise für die Kommunen und für die Politik, wie mit dem Flächensparziel umgegangen werden könne. Dabei komme es auch darauf an, die Herzen der Entscheider zu treffen und insoweit bei der Formulierung von Handlungsempfehlungen den Empfangshorizont der Zielgruppen zu beachten. Die LABO sollte es sich zur Aufgabe machen, die REFINA-Ergebnisse auszuwerten und zu bewerten, um daraus Rückschlüsse für die zukünftige Arbeit der LABO zu ziehen. Zur Unterstützung der Länder und der Kommunen sollte die Bundesregierung die REFINA-Ergebnisse zielgruppengerecht aufbereiten und zur Verfügung stellen.

Herr Düwel betonte die unterschiedliche Problemstellung in den unterschiedlich strukturierten Gemeinden im Land. Insofern seien eine differenzierte Ansprache und spezifische Handlungsansätze zu entwickeln. Dabei sollten sich die Länder untereinander austauschen und ihre Maßnahmen und Politiken so abstimmen, dass am Ende nicht 16 verschiedene Konzepte und Programme entstünden.

Die Sanierung von bestehenden Wohnquartieren zur Verbesserung der Wohnqualität in den Städten könne seiner Meinung nach ein guter Baustein sein, den Flächenverbrauch auf der grünen Wiese zu verringern. Ebenso können erfolgreiche Beispiele für interkommunale Gewerbegebiete helfen, lokale Entscheider von diesbezüglichen Konzepten zu überzeugen. Im Hinblick auf die Erkenntnisvermittlung der REFINA-Projekte verwies er auf die fehlende personelle Ausstattung in kleineren Kommunen, die gut aufbereitete und für Bürgermeister geeignete Ergebnispräsentationen sinnvoll mache.

Wichtiger Ansatzpunkt zur Umsetzung von REFINA-Ergebnissen im Saarland ist nach Angaben von Herrn Müller-Zick das neue Gemeindeentwicklungskonzept, das dem nachhaltigen Flächenmanagement hohe Bedeutung zumesse. Vor dem Hintergrund der Situation im Land (wirtschaftlicher Strukturwandel, demografischer Wandel) ziele das Saarland auf die Umsetzung des Konzeptes der Flächenkreislaufwirtschaft, d.h. der Flächenkonstanz (= Flächenzuwachs von 0 ha). Zur Umsetzung werde das Land einen Gemeindefinanzierungsfonds auflegen. Hierzu werde mit Mitteln der Europäischen Investitionsbank eine Machbarkeitsstudie erstellt.

Simon Burger
Simon Burger

Vor Ort in den Kommunen sollten mit Unterstützung durch externe Büros individuell angepasste Konzepte erarbeitet werden, um die REFINA-Ziele umzusetzen. Die Flächensparpolitik sei seiner Meinung nach am Besten durch gute Beispiele und konkrete Hinweise zu transportieren.

Für den Städte- und Gemeindebund sah Herr Burger als zentrale Aufgabe, mit den unterschiedlichen Ansätzen aus den REFINA-Projekten in den Kommunen und Regionen positive Anreize zu setzen. Eine besondere Rolle sollte dabei aus seiner Sicht die Prüfung und Umsetzung von Fondsmodellen spielen. Der Städte- und Gemeindebund sieht sich vorrangig als Multiplikator und hat bspw. gemeinsam mit der projektübergreifenden Begleitung eine Dokumentation ausgewählter REFINA-Ansätze veröffentlicht. Dabei komme es darauf an, die Fach- und die breite Öffentlichkeit gezielt in ihrer spezifischen Sprache anzusprechen. Um die Bürger von ihrem Wunsch vom Wohnen auf der grünen Wiese abzubringen und das Wohnen im Innenbereich der Städte zu propagieren, wünscht sich Herr Burger Unterstützung seitens des Bundes und der Länder.

Abschließend gab Frau Dr. Birgit Metz (BMBF) einen Ausblick auf Aktivitäten im Rahmen des Förderschwerpunktes REFINA. Besondere Bedeutung haben nun die Aufbereitung der Ergebnisse und der Wissenstransfer. So werden ausgewählte Forschungsergebnisse zu den Themenschwerpunkten „Kommunikation“ und „Flächen- und Standortbewertung“ sowie das REFINA Handbuch veröffentlicht werden. Neben den im Rahmen der einzelnen Vorhaben geplanten Veranstaltungen wird die „Projektübergreifende Begleitung“ von REFINA in Abstimmung mit dem BMBF im kommenden Jahr zu weiteren – insbesondere auch regionalen Veranstaltungen einladen, bei denen Ergebnisse aus REFINA vorgestellt und diskutiert werden können.

Weiterhin verwies Frau Metz auf die aktuelle BMBF-Bekanntmachung „Nachhaltiges Landmanagement“, die national und international ausgerichtet ist und auf Regionen zielt, die in besonderem Maße von den klimatischen oder strukturell-demografischen Veränderungen betroffen sind. Auch hierbei werden inter- und transdisziplinäre Verbundvorhaben gefördert werden, um die Grenzen zwischen den Fachdisziplinen zu überwinden und die Akteure in den Regionen aktiv einzubinden. Erfahrungen aus REFINA können hierbei Eingang finden.


Dr. Birgit Metz (BMBF): Nachhaltiges Landmanagement, Folien (pdf, 73 kB)


Fotos: Impressionen


Fotos: © by Christine Grabarse & Doris Reichel


[Zum Seminarprogramm]