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Konferenzbericht: Nachhaltiges Flächenmanagement in Stadt und Region

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Am 4. Mai 2011 in Schwerin


Begrüßung
Hartmut Wollenteit (Leiter des Amtes für Hauptverwaltung, Landeshauptstadt Schwerin)

Foto: Hartmut  Wollenteit

In seiner Begrüßung stellte Herr Wollenteit, Leiter des Amtes für Hauptverwaltung der  Landeshauptstadt Schwerin, die Stadt Schwerin in kurzen Zügen vor. Mit Hinweis auf die anfängliche Skepsis gegenüber der Beteiligung der Stadt an einem Bundesforschungsprogramm hob er die mit REFINA gewonnenen Erkenntnisse und Ergebnisse hervor und betonte den Stellenwert innovativer Ansätze in der Verwaltung.


Lothar Säwert (Leiter der Abteilung Landesentwicklung im Ministerium  für Verkehr, Bau und Landesentwicklung, Mecklenburg-Vorpommern)

Foto: Lothar  Säwert

Mit Verweis auf die Ziele der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie äußerte Herr Säwert seinen Optimismus, in Mecklenburg Vorpommern diese Ziele bis 2020 erreichen zu können. Berücksichtigt werden müssten dabei gleichzeitig notwendige Entwicklungsspielräume einer wirtschaftlichen Entwicklung. Beispielhaft verwies er auf aktuelle Projekte der Verkehrsinfrastruktur sowie der Hafenentwicklung.  Herr Säwert hob die besondere Siedlungsstruktur des Landes hervor, deren Kennzeichen  ein ausgeprägter ländlicher Raum, kleine Kommunen sowie daraus resultierend eine  geringe Bevölkerungsdichte seien. Die Berücksichtigung dieser spezifischen Rahmenbedingungen und der Anspruch, Nachhaltigkeit mit Leben zu füllen, seien die Grundlage der „taufrischen“ Raumordnungsprogramme, die einen besonderen Fokus auf Innenentwicklung legen.


REFINA – von der Forschung in die Praxis
Maike Hauschild (Projektträger Jülich im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung)

Foto: Maike  Hauschild

Frau Hauschild, Projektträger Jülich (PtJ), erläuterte die Themenfelder und Schwerpunkte des BMBF-Förderschwerpunktes REFINA (REduzierung der FlächenInanspruchnahme und ein NAchhaltiges Flächenmanagement). Dabei warb sie für die im Rahmen von REFINA erarbeiteten Produkte. Die Produktdatenbank der REFINA Website als eine öffentlich zugängliche Datenbank der unterschiedlichen in REFINA erarbeiteten Werkzeuge, die monatlich erscheinende Flächenpost , die REFINA-Schriftreihe und die unterschiedlichen Projektberichte stellen in diesem Fall das Fundament für das erst kürzlich erschienene, umfangreiche REFINA-Handbuch für die Praxis. Des Weiteren verwies sie auf den Bericht der Umweltministerkonferenz (UMK) , der  neben Erfahrungen und Positionen der Fachministerkonferenzen, die Ergebnisse aus REFINA aufbereitet, bewertet und weitere Vorschläge zur Weiterentwicklung von Instrumenten gibt. Kerngedanken des REFINA-Vorhaben fasst sie zusammen als: Regional denken, Interkommunal entwickeln, Kommunizieren und Bewusstsein bilden, Infrastruktur: Wandel gestalten, Folgekosten abschätzen.

REFINA – von der Forschung in die Praxis (pdf, 793 kB)
Maike Hauschild


Konzepte für ein nachhaltiges Flächenmanagement

Stadt-Umland-Konzepte in Mecklenburg-Vorpommern als Instrument abgestimmter Entwicklungsstrategien zwischen Kernstadt und Umlandgemeinden
Dr. Peter Hajny (Referatsleiter „Raumordnerische Belange der Nachhaltigen Siedlungsentwicklung“, Ministerium für Verkehr, Bau und Landesentwicklung, Mecklenburg-Vorpommern)

Foto: Peter Hajny

Herr Dr. Hajny, Referatsleiter im Ministerium für Verkehr, Bau und Landesentwicklung, Mecklenburg-Vorpommern, stellte die zunehmende Diskrepanz städtischer und ländlicher Räume anhand der Siedlungsverhältnisse in Mecklenburg-Vorpommern vor. Die Trendwende hin zu „Stadt ist Region und Region ist Stadt“ und die zunehmenden Verflechtungsbeziehungen zwischen Kernstadt und Umlandgemeinden erfordern eine interkommunale Kooperation. Im Landesraumentwicklungsprogramm Mecklenburg-Vorpommern werden sechs Stadt-Umland-Räume festgelegt – sechs Kernstädten werden  91 Umlandgemeinden zugeordnet. Im Weiteren stellte Herr Dr.  Hajny die Abgrenzungskriterien und funktionalen Verflechtungen der Stadt-Umland-Räume vor, erläuterte  die methodische Herangehensweise sowie die Organisations- und Kooperationsstrukturen und präsentierte die konkreten Ergebnisse der erstellten Rahmenpläne. Seinen Beitrag schloss er mit der Formulierung von Anforderungen an das weitere Vorgehen.

Stadt-Umland-Konzepte in Mecklenburg-Vorpommern als Instrument abgestimmter Entwicklungsstrategien zwischen Kernstadt und Umlandgemeinden (pdf, 1.050 kB)
Peter Hajny


REFINA-Projekt: Integriertes Stadt-Umland-Modellkonzept zur Reduzierung der Flächeninanspruchnahme
Interkommunale Kooperation. Erfahrungen aus dem REFINA-Projekt –Modellkonzept Elmshorn/Pinneberg
Dr. Michael Melzer (Raum & Energie Institut für Planung, Kommunikation und Prozessmanagement GmbH, Wedel)

Foto: Michael Melzer

Herr Dr. Melzer, Raum & Energie Wedel, zeigte am Beispiel des REFINA-Verbundprojektes „Stadt-Umland-Modellkonzept Elmshorn/Pinneberg“ die ambivalente Sicht- und Herangehensweisen von Wissenschaft und Kommunen bei interkommunalen Kooperationen zur Reduzierung der Flächeninanspruchnahme auf. Aus dem Spannungsverhältnis zwischen theoretischen Perspektiven und den oft konträren kommunalen Erfahrungen leitete er Erfolgsbedingungen für interkommunale Kooperationen ab. Diese Erfolgsbedingungen setzen sich unter anderem aus Freiwilligkeit, Eigenständigkeit, Transparenz, Gleichberechtigung, Konsens und Kooperationsvereinbarungen zur Generierung von Win-win-Situationen zusammen.


Ernst-Wilhelm Mohrdiek (Bürgermeister der Gemeinde Horst (Holstein))

Foto: Ernst-Wilhelm  Mohrdiek

Herr Mohrdiek, Bürgermeister der Gemeinde Horst, veranschaulichte die Umsetzung des Stadt-Umland-Konzeptes (SUK) am Beispiel des SUK Elmshorn. Leitgedanke der Stadt-Umland-Konzepte ist eine Bündelung aller Potenziale der Stadt und des Umlandes zur Stärkung der Region,  aber auch, um die Lebensqualität zu steigern und die Konsequenzen des demographischen Wandels in weiteren Planungen berücksichtigen zu können. Regelmäßige Sitzungen der  Arbeitsausschüsse, der SUK-Bürgermeisterrunden und Regionalkonferenzen unterstützen und regen  Kommunikation und Kooperation an.  Laut Herrn Mohrdiek spielen zumeist örtliche Befindlichkeiten eine wesentliche Rolle bei der Ausgestaltung von Kooperationen. Wichtig sei auch, dass  die jeweiligen Bürgermeister den Rückhalt in eigenen Reihen sicherstellen und die eigene Politik rechtzeitig von den Kooperationsaktivitäten überzeugen.  Als besonders wichtig stellte er die Ausgestaltung von Win-win-Situationen heraus.


REFINA-Projekt HAI: Handlungshilfen für eine aktive Innenentwicklung
Dr. Frank Molder (Baader Konzept GmbH, Gunzenhausen)

Foto: Frank Molder

Herr Dr. Molder, Baader Konzept GmbH, präsentierte in seinem Vortrag die sechs Bausteine der Innenentwicklung, die im Rahmen des REFINA Projektes HAI  erarbeitet wurden. Zwar sei die Relevanz von Innenentwicklung vor dem Hintergrund zunehmender Flächeninanspruchnahme bei sinkenden Bevölkerungszahlen, bei erhöhten Leerständen und steigenden Infrastrukturkosten vielen Kommunen durchaus bewusst. Trotzdem unterschätzten diese  häufig die eigenen Innenentwicklungspotenziale. Auch fehle eine realistische Einschätzung des Verhaltens von Grundstückseigentümern, zudem werde die Wirkung von Instrumenten zur Aktivierung durch Eigentümeransprache verkannt. Anhand verschiedener Bespiele verdeutlichte Herr Molder anschließend  die Umsetzung einer  flächendeckenden und systematischen Betrachtung von Innenentwicklungspotenzialen und deren Aktivierung.

REFINA-Projekt HAI: Handlungshilfen für eine aktive Innenentwicklung (pdf, 3.615 kB)
Frank Molder


Kosten und Folgekosten der Siedlungsentwicklung

Das REFINA-Vorhaben LEAN²: Siedlungsentwicklung auf dem Prüfstand – Abschätzung der Folgekosten und Infrastrukturwirkungen durch neue Wohngebiete
Andrea Dittrich-Wesbuer (Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung gGmbH (ILS) Dortmund)

Foto: Andrea  Dittrich-Wesbuer

Frau Dittrich-Wesbuer, ILS Dortmund, stellte den im Rahmen des REFINA-Vorhaben LEAN² entwickelten Kostenrechner zur Berechnung finanzieller Auswirkungen von Wohngebietsentwicklungen auf den kommunalen Haushalt  vor. Im Unterschied zu vielen anderen Kostenrechnern handelt es sich bei dem Produkt LEANkom um ein Expertentool zur Kosten-Nutzen-Betrachtung von Wohngebieten. Neben kurzfristigen Prognosen zur Kostenentwicklung technischer  und sozialer Infrastrukturen ermöglicht das Tool vor allem eine mittel- und langfristige Betrachtung von Folgekosten. Die Kosten der Bereitstellung und des Betriebs der technischen und sozialen Infrastruktur werden den aus Gebietsentwicklungen resultierenden Einnahmen entgegengesetzt, wobei auch unterschiedliche Planungsvarianten Berücksichtigung finden können. Dies fördert die Transparenz fiskalischer Effekte und zeigt zugleich Auswirkungen kleinräumiger Bevölkerungsveränderungen auf die Infrastruktur auf. Hierdurch ermöglicht der Rechner eine verbesserte Planungssicherheit in Zeiten des demographischen Wandels, ersetzt jedoch, wie Frau Dittrich-Wesbuer hervorhob, nicht herkömmliche Planungs- und Entscheidungsabläufe. Kostenbetrachtungen sollten vielmehr integraler Bestandteil eines nachhaltigen Flächenmanagements  sein und in die Abwägung einfließen.

Siedlungsentwicklung auf dem Prüfstand – Abschätzung der Folgekosten und Infrastrukturwirkungen durch neue Wohngebiete (pdf, 1.912 kB)
Andrea Dittrich-Wesbuer


Gezielter suchen. Besser wohnen: Ergebnisse aus dem REFINA-Projekt „Integrierte Wohnstandortberatung“
Björn Schwarze (TU Dortmund, Fakultät Raumplanung, Fachgebiet Raumbezogene Informationsverarbeitung und Modellbildung (RIM), Dortmund)

Foto: Björn  Schwarze

Herr Schwarze, wissenschaftlicher Mitarbeiter der  TU Dortmund, erläuterte die modellhaft für Schwerin und Wilhelmshaven entwickelte Wohnstandortinfo. Grundannahme des Projekts sei, so Schwarze, dass durch Beratung und Information private Haushalte bei der Wohnstandortwahl integrierte Lagen bevorzugen. Hier bestehe jedoch  aufgrund von Wahrnehmungslücken Handlungsbedarf. Die Wohnstandortinformation ist auf drei Säulen gestellt. Ein Wohnstandortinformationssystem im Internet, eine persönliche Beratungsstelle vor Ort aber auch aktive Öffentlichkeitsarbeit und Marketing sollen Wohnungssuchenden bestmögliche Informationen über potentielle Wohngebiete geben, nach denen eine Priorisierung ihrer Wohnwünsche stattfinden kann. Durch eine Verknüpfung der Wohnpräferenzen der Wohnungssuchenden und Wohnungsangeboten der Immobilienanbieter können letztlich zielgruppenspezifische Angebote gemacht werden.


Die Wohnstandortinfo - Ergebnisse aus einem REFINA-Projekt (pdf, 4.082 kB)
Björn Schwarze


Dr. Günter Reinkober (Leiter des Amts für Stadtentwicklung der Landeshauptstadt Schwerin)

Foto: Günter Reinkober

Herr Reinkober, Leiter des Amts für Stadtentwicklung der Landeshauptstadt Schwerin, erläuterte  die Relevanz der integrierten Wohnstandortberatung für die an dem Projekt beteiligten Städte Schwerin und Wilhelmshaven. Ein kontinuierliches Wohnraummonitoring und die Erhebung der Wohnzufriedenheit sind wesentliche Indikatoren und Stellgrößen für die Unterstützung von  Wohnstandortentscheidungen. Im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK)  „Wohnen in Schwerin“ werden bereits auf Grundlage von entwickelten Prognosen für 2017 Entwicklungsziele und Projekträume des Stadtumbaus definiert. Die Wohnstandortinfo dient dabei als Ergänzung, die sowohl eine Evaluierung der Wohnzufriedenheit und Wohnziele zulässt, aber auch eine verbesserte Kommunikation der Verwaltung, Immobilienwirtschaft und Bürger fördert. Insbesondere Wohnungssuchende von außerhalb nutzen das Tool und die zusätzlich bereitgestellten Informationen über die jeweiligen Wohngebiete.


Kosten der Infrastrukturentwicklung im ländlichen Raum am Beispiel der Region Mecklenburgische Seenplatte
Christoph Kaufmann (Dezernent Regionalplanung, Verbandsaufgaben, Tourismus, regionaler Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte, Neubrandenburg)

Foto: Christoph  Kaufmann

Herr Kaufmann, Dezernent für Regionalplanung in Neubrandenburg, referierte über die Herausforderung der demographischen und strukturellen Entwicklungen für die Angebote der Daseinsvorsorge in der Region Mecklenburgische Seenplatte.  Der seit 1990 fortlaufende Bevölkerungsrückgang und die bereits eingetretene und zukünftig absehbare Unterschreitung wichtiger Tragfähigkeitsschwellen von Infrastruktureinrichtungen  stellen die Planung vor eine große Aufgabe. Mittels  der in einem MORO-Modellvorhaben entwickelten Betrachtung wesentlicher Handlungsbereiche der Daseinsvorsorge wird versucht möglichst gute Prognosen zu erstellen, um Auswirkungen aber auch Alternativen der Infrastrukturanpassung an künftige Entwicklungen ableiten zu können. Herr Kaufmann stellte in seinem Beitrag im Besonderen die Bereiche Bildung und medizinische Versorgung heraus. Verschiedene Szenarien zeigen einen möglichen Umgang mit den Herausforderungen und dem damit jeweils verbundenen Kostenaufwand.  Die  Visualisierung von Entscheidungsspielräumen wurde seitens der Verwaltung sehr gut angenommen, man will „Aktiv Gestalten statt Passiv erleiden“.

Kosten der Infrastrukturentwicklung im ländlichen Raum am Beispiel der Region Mecklenburgische Seenplatte (pdf, 8.346 kB)
Christoph Kaufmann


Schlusswort

Heike Kasten (Referatsleiterin Boden- und Grundwasserschutz, Altlastenfreistellung, Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern)

Foto: Heike  Kasten

Frau Kasten beendete als Vertreterin des Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern die Veranstaltungen mit einem Dank an alle Beteiligten und appellierte, die sozioökonomischen Auswirkungen einer übermäßigen Flächeninanspruchnahme gemeinsam mit den negativen Folgen für das Schutzgut Boden und dessen ökologischen Funktionen zu betrachten. Sowohl die sozioökonomischen als auch die ökologischen Folgen der Flächeninanspruchnahme wirken sich finanziell aus. Angesichts zunehmender Flächennutzungskonkurrenzen durch eine steigende Nachfrage nach Lebensmitteln und nachwachsenden Rohstoffen, einhergehend mit den Folgen des Klimawandels und der demographischen Entwicklung, bedarf die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme einer stärkeren Gewichtung. Auch die Landwirtschaft als Hauptflächenlieferant sei in erheblichem Maße betroffen. Vor dem Hintergrund des demographischen und strukturellen Wandels im Land müsse vermieden werden, dass mit der Ausweitung der Siedlungsflächen heute die Entstehung der devastierten Flächen von morgen  unterstützt wird. Zusätzliche Siedlungsentwicklung sollte zukünftig weitgehend über Innenentwicklung und Flächenrecycling erfolgen. Die entsprechenden zukunftsfähigen Konzeptionen sind  durch einen kontinuierlichen Dialog zur Bewusstseinsförderung und durch Ausschöpfung von Win-win-Situationen zu erreichen.


Fotos: Auditorium

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