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Tagungsbericht: Forum Nachhaltiges Flächenmanagement in Europa. Ansätze und Erfahrungen

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Bericht von der Fachtagung am 21. Juni 2011 in Brüssel

Mit der Strategie Europa 2020 macht sich die EU auf den Weg zu einem intelligenten, nachhaltigen und integrativen Wachstum. Ein nachhaltiger Umgang mit der knappen Ressource "natürliche Fläche" kann dazu einen unverzichtbaren Beitrag leisten. Dies bedeutet, weniger freie Flächen zu bebauen. Gleichzeitig sollen Brachflächen wieder genutzt und bestehende Siedlungen sinnvoll nachverdichtet werden. Dadurch wird eine weitere Zersiedlung der Landschaft minimiert.

Europa steht vor großen Herausforderungen beim Flächenverbrauch. Dieses Thema muss in den Überlegungen zur Weiterentwicklung der EU-Nachhaltigkeitsstrategie angemessen berücksichtigt werden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat diesen Forschungsbedarf frühzeitig aufgegriffen und förderte über fünf Jahre die nationale Maßnahme "Forschung für die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und ein nachhaltiges Flächenmanagement (REFINA)". Wissenschaftler und Praktiker aus Kommunen und Regionen erarbeiteten in 45 praxisorientierten Forschungsvorhaben Lösungen für ein nachhaltiges und innovatives Flächenmanagement. Ergebnisse liegen jetzt vor und werden zugänglich gemacht.

Insgesamt hat REFINA in Deutschland maßgeblich dazu beigetragen, das Bewusstsein für das Thema zu verbessern, notwendige Veränderungen zu identifizieren und Handlungskonzepte im Umgang mit Fläche zu verbessern. Vor dem Hintergrund bietet das BMBF an, die REFINA-Ergebnisse in Europa vorzustellen und sie im Kontext der Europa 2020-Strategie und der europäischen Nachhaltigkeitsstrategie zu diskutieren.

Das Forum Nachhaltiges Flächenmanagement in Europa. Ansätze und Erfahrungen bot eine Dialogplattform, diese Erfahrungen mit Europäischen Institutionen, Wissenschaft, Planer- und Umweltverbänden sowie Praktiker aus Städten und Regionen Europas zu beraten:

An der eintägigen Veranstaltung nahmen rund 80 Vertreterinnen und Vertreter europäischer Institutionen aus Forschung und Politik sowie von Interessensverbänden und anderen Organisationen teil.

Begrüßung

David Aldenhoff (Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen bei der EU)

Foto: David Aldenhoff

Herr Aldenhoff begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung und betonte den Stellenwert des Themas Nachhaltigkeit bei den Aktivitäten des eigenen Hauses.

Dr. Stephanie Bock (Deutsches Institut für Urbanistik)

Foto: Stephanie Bock

Frau Dr. Bock stellte in ihrer Begrüßung das Deutsche Institut für Urbanistik vor und erläuterte Aufgaben und Zielsetzungen der Projektübergreifenden Begleitung des BMBF-Förderprogramms REFINA.

Im ersten Block der Veranstaltung stand neben der Vorstellung des Förderschwerpunktes REFINA und seiner europäischen Bedeutung das Thema Nachhaltiges Flächenmanagement sowie Forschungsbedarfe und Forschungsförderung aus europäischer Sicht im Mittelpunkt.

Der Förderschwerpunkt REFINA: Zielsetzungen, Handlungsfelder und Ergebnisse

Wilfried Kraus (Leiter der Unterabteilung Nachhaltigkeit, Klima, Energie, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF))

Foto: Wilfried Kraus

Herr Kraus stellte im Kontext aktueller europäischer Herausforderungen die Bedeutung des Themas Landmanagement heraus und verdeutlichte dies anhand aktueller Daten zur Landnutzungen und Flächeninanspruchnahme. Vor allem anhaltende Suburbanisierungsprozesse und Zersiedlung erfordern ein Umsteuern in Europa. Hieran anknüpfend erläuterte er den BMBF-Förderschwerpunkt REFINA, dessen Zielsetzungen, Themenschwerpunkte, Ergebnisse und Produkte. Dabei verwies er auf die Bedeutung des transdisziplinären Forschungsansatzes, des Forschungsthemas und seines besonderen Praxisbezugs im europäischen Kontext.

Der Förderschwerpunkt REFINA: Zielsetzungen, Handlungsfelder und Ergebnisse (pdf, 1,9 MB)
Wilfried Kraus

Nachhaltiges Flächenmanagement - Forschungsbedarfe und Forschungsförderung aus europäischer Sicht?

Dr. Hartmut Barth (Generaldirektion Forschung und Innovation, Europäische Kommission, Direktion I: Umwelt)

Foto: Dr. Hartmut Barth

Herr Dr. Barth stellte in seinem Vortrag die bereits im sechsten und siebten EU-Forschungsrahmenprogramm praktizierten Forschungsansätze und geförderten Forschungsprojekte zum Themenfeld nachhaltiges Landmanagement vor und verwies auf eine zukünftig stärker strategisch ausgerichtete Forschungsförderung. Anschließend leitete er die Notwendigkeit zukünftiger Forschung und Innovation ab und gab einen Ausblick auf die nächsten Schritte bei der Ausgestaltung des kommenden EU-Forschungsrahmenprogramms.

Erweitert wurde diese Perspektive durch die Reflexion und Diskussion der notwendigen europäischen Forschungsaktivitäten und Maßnahmen für ein nachhaltiges Flächenmanagement. Die Positionen des Podiums, die die Sicht der Kommunen und Regionen, der Planerinnen und Planer sowie der europäischen Umwelt- und Nachhaltigkeitsbeiräte repräsentierten, wurden durch zahlreiche Statements aus dem Publikum ergänzt.

Nachhaltiges Flächenmanagement - Forschungsbedarfe und Forschungsförderung aus europäischer Sicht? (pdf, 379 kB)
Dr. Hartmut Barth

Statement aus Sicht der Kommunen

Eha Võrk (Stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Tallinn)

Foto: Eha Võrk

Einleitend beschrieb Frau Võrk die gegenwärtigen städtebaulichen Entwicklungen der Stadt Tallin. Diese seien, vergleichbar mit anderen Städten der Welt, geprägt von den Folgen der Stadt-Land-Wanderung und Suburbanisierung. Die fehlende Infrastruktur im peri-urbanen Raum korreliere mit steigenden Mobilitätsraten und einem gleichfalls steigenden Autobesitz. Hierdurch komme es unter anderem zu einer starken Belastung der Umwelt, die sich negativ auf die Lebensqualität der Menschen auswirke. Jedoch lasse sich in Tallin noch immer eine kontinuierliche Abwanderung in das dünn besiedelte Umland verzeichnen. Frau Võrk fordert in diesem Zusammenhang eine strenge Ausrichtung der Stadtentwicklung in Tallin entlang der Ziele und Grundsätze der Nachhaltigkeit. Besonders unterstrich sie das Leitbild der kompakten Stadt, aber auch das Ziel einer Innen- vor Außenentwicklung anstatt einer weitergehenden Flächenneuinanspruchnahme.

Die schwierige Situation der öffentlichen Haushalte schränke jedoch deren Handlungsmöglichkeiten ein. So würden bei politischen Entscheidungen über Bauinvestitionen städtebauliche Qualitäten oft nachrangig gewichtet. Generell gestalte sich die Suche nach Investoren für städtebaulich anspruchsvolle Vorhaben wie z.B. das Kopli-Strand-Entwicklungsvorhaben in Tallinn schwierig. sei. Allein könnte die Kommune hier z.B. keine Erschließungsleistungen erbringen. Zusätzlich zu der finanziellen Notlage verwies Frau Võrk auf einen Mangel an aktuell verfügbaren Daten zur Siedlungsentwicklung und auf einen unzureichenden Rechts- und Ordnungsrahmen. Die genannten Problemlagen behinderten eine nachhaltige Entwicklung und sollten daher auf europäischer Ebene angegangen werden.

Statement aus Sicht europäischer Umwelt- und Nachhaltigkeitsbeiräte

Jan Verheeke (Direktor des Flämischen Nachhaltigkeitsrates 'Minaraad'/European Environment and Sustainable Development Advisory Councils (EEAC))

Foto: Jan Verheeke

Laut Herrn Verheeke, sei die Ausrichtung einer jährlichen europaweiten Konferenz zum Thema Nachhaltigkeit die zentrale Aufgabe der europäischen Umwelt- und Nachhaltigkeitsbeiräte. Hierbei würden globale, europäische aber auch nationale Unterschiede berücksichtigt. Es kristallisierten sich verschiedene Herausforderungen in Bezug auf das Flächenmanagement heraus: der sich unterscheidende ökonomische Status der Regionen, der Wettbewerb der ländlichen Regionen und die spezifischen Problemlagen der randständigen Regionen. Dies erfordere einen dynamischen Staat, der sowohl auf übergeordneter als auch auf lokaler Ebene die individuellen Bedürfnisse eines nachhaltigen Flächenmanagements bediene.

Sowohl in urbanen als auch in ländlichen Regionen könnten Unterschiede hinsichtlich der Forschungsbeiträge festgestellt werden. Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Hochwassermanagement stehen im Fokus der Untersuchungen im ländlichen Raum. Hingegen spielten wirtschaftliche Interessen eine große Rolle im urbanen Raum. Verbesserungsbedarf bestünde u.a. beim Austausch von Daten und bei der Unterstützung von public private partnership (PPP). Außerdem betonte Herr Verheeke, dass eine verbesserte Organisation und Gesetzgebung bezüglich eines nachhaltigen Flächenmanagements notwendig sei. Ein ganzheitliches Flächenmanagement umfasse natürlich - im Wortsinne - Managementaspekte, aber auch gute Governance und adäquate politische Rahmenbedingungen.

Statement aus Sicht von Planerinnen und Planern

Dr. Dirk Engelke (Vizepräsident International Society of City and Regional Planners (ISOCARP))

Foto: Dr. Dirk Engelke

Einleitend verwies Herr Engelke auf die notwendige Unterscheidung verschiedener Formen von Suburbanisierung in der Diskussion über ein nachhaltiges Flächenmanagement. Regionale Disparitäten zwischen Nordeuropa und Osteuropa, aber auch Größenunterschiede zwischen Metropolregionen, peri-urbanen und ländlichen Gebieten müssten differenziert wahrgenommen und adressiert werden. Unterschiedliche Problemstellungen in den verschiedenen Regionen erforderten eine differenzierte Herangehensweise bei der Problemlösung. Einhergehend mit einer ausgeprägten Diversität in Europa seien auch Unterschiede im Umgang mit nachhaltigem Flächenmanagement zu verzeichnen, welche nicht zuletzt auch abhängig seien von den Kapazitäten der einzelnen Länder und Regionen. Der Versuch der öffentlichen Hand, durch Verstaatlichung Kontrolle über die Flächenentwicklung zu bekommen, sei in Zeiten von Schrumpfung und leeren öffentlichen Kassen problematisch. Leider werde ein capacity building in Bezug auf nachhaltiges Flächenmanagement noch nicht ausreichend betrieben. NGOs, aber auch private Firmen und Unternehmen müssten durch verschiedene Kooperationsformen wie beispielsweise PPP am Flächenmanagement beteiligt werden. Ansonsten würde durch einen beliebigen Aufkauf von Flächen durch private Investoren und andere Interessengruppen ein nachhaltiges Flächenmanagement konterkariert. Hinderlich für eine Kooperation der am Flächenmanagement Beteiligten sei eine Schneise zwischen Wissenschaft, Politik, Ökonomie und den gegenwärtigen Entwicklungen. Ein Mangel an Transdisziplinarität und Weitsicht sein hier offenkundig. Es gebe aber auch positive Beispiele. So würden in Frankreich durch eine Zusammenführung von Strukturdaten aber auch aktualisierten Daten der Immobilienbranche Potenziale gebündelt. Für wichtig erachtete Herr Engelke insbesondere, alle Bürgermeister an einen Tisch zu holen, um mit ihnen und betroffenen Planern, Eigentümern und Investoren über zukünftige Schritte zu entscheiden.

Der zweite Block der Veranstaltung verfolgte das Ziel der Vermittlung des Themas "Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und nachhaltiges Flächenmanagement" auf der europäischen Ebene durch die Vorstellung der vorliegenden Erfahrungen und guten Beispielen aus dem BMBF-Förderschwerpunkt REFINA. Die drei Themenschwerpunkte Datenbasis und Informationsgrundlagen für ein nachhaltiges Flächenmanagement, Folgekosten der Siedlungsentwicklung und Kommunikation und Bewusstseinsbildung für die Fläche wurden in einen europäischen Kontext gestellt und von der Praxis kommentiert.

Datenbasis und Informationsgrundlagen für ein nachhaltiges Flächenmanagement: Wo stehen wir?

Dr. Angelika Perner (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR))

Foto: Dr. Angelika Perner

Frau Dr. Perner stellte die vielfältigen Anwendungsbereiche für Daten und Flächeninformationen im Flächenmanagement vor u.a. für das Flächenmonitoring, die Erstellung von Flächenentwicklungsprognosen, für die Erfassung, Bewertung und Mobilisierung von Flächenpotenzialen, für Bewertungen naturschutzrelevanter Flächen sowie für die Erarbeitung flächenpolitischer Ziele und für eine fundierte Kommunikation zum Thema. Weiterhin beschrieb sie verschiedene Aktivitäten im Rahmen der Raum- und Stadtbeobachtung in Deutschland und Europa (u.a. Corine Land Cover). In Bezug auf die aktuelle REFINA-Forschung stellte sie die in den Forschungsvorhaben Flächenbarometer und DoRiF erarbeiteten Ansätze zur Nutzung von Fernerkundungsdaten für das Flächen-Monitoring bzw. zur Evaluation der Wirksamkeit von Regionalplänen sowie die kleinräumige gebäudebasierte Ex-post-Analyse der Siedlungsentwicklung auf Grundlage von Geobasisdaten dar.

Abschließend sprach sich Frau Dr. Perner für eine Synchronisation des Datenmanagements in Europa z.B. in Bezug auf die Erfassungsgenauigkeit und Aktualisierungsintervalle aus. Hierbei verwies sie auf die von der Europäischen Kommission und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) gegründete Initiative GMES (Global Monitoring for Environment and Security) für ein vereinheitlichtes, nachhaltiges und unabhängiges europäisches Beobachtungssystem.

Datenbasis und Informationsgrundlagen für ein nachhaltiges Flächenmanagement: Wo stehen wir? (pdf, 7,77 MB)
Dr. Angelika Perner

Nachhaltige Siedlungsentwicklung: Was leistet die Betrachtung von Folgekosten?

Andrea Dittrich-Wesbuer (Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung gGmbH, Dortmund)

Foto: Andrea Dittrich-Wesbuer

Im Zentrum der Präsentation von Frau Dittrich-Wesbuer standen Werkzeuge zur Kosten-Nutzen-Betrachtung im Rahmen der Siedlungsentwicklung. In Deutschland wurden in den vergangenen Jahren, besonders im BMBF-Förderprogramm REFINA, Werkzeuge entwickelt, die es Gemeinden und Bürgern ermöglichen, die kurz-, mittel- und langfristigen Kosten der Siedlungsentwicklung zu untersuchen. Insbesondere die Betrachtung der mit der Siedlungsentwicklung verbundenen langfristigen Kosten für technische und soziale Infrastruktur im Verhältnis zu den zu erwartenden kommunalen Mehreinnahmen können die Gemeinden in ihren Flächennutzungsentscheidungen unterstützen. Die Relevanz einer fundierten Betrachtung von Kosten und Nutzen der Siedlungsentwicklung wird insbesondere in Städten und Regionen steigen, die bereits heute oder in näherer Zukunft eine Schrumpfung von Einwohnerzahlen zu verkraften haben. Beispielhaft am Werkzeug LEANkom, einer in REFINA entwickelten Software zur Entscheidungsunterstützung für die strategische Bauleitplanung im Bereich Wohnen, erläuterte Frau Dittrich-Wesbuer die zu betrachtenden Parameter wie z.B. technische und soziale Infrastruktur, Finanzierungskosten, Steuereinnahmen aus der Einkommensteuer und Grundsteuer sowie die im System integrierte kleinräumige Bevölkerungsprognose.

Insgesamt verdeutlichte der Beitrag zum einen, wie die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Flächennachfrage zu einer stärkeren Sensibilisierung der Kommunen für mittel- und langfristige Kosten der Siedlungstätigkeit führen. Zum anderen wurde sichtbar, dass noch weiterer Forschungsbedarf besteht, um zukünftig u.a. Aspekte der Gewerbeflächenentwicklung sowie einer stärker regionsorientierten Untersuchung von Folgekosten der Siedlungsentwicklung genauer bewerten zu können.

Nachhaltige Siedlungsentwicklung: Was leistet die Betrachtung von Folgekosten? (pdf, 1,42 MB)
Andrea Dittrich-Wesbuer

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Joachim Zeller, Mitglied des Europäischen Parlaments, Mitglied im Ausschuss für regionale Entwicklung

Foto: Joachim Zeller

Herr Zeller führte zunächst aus, dass die städtische Dimension in der EU-Politik und EU-Förderung zukünftig stärkeres Gewicht erlangen müsse. In Bezug auf ein nachhaltiges Landmanagement bestünde in jedem Fall Nachholbedarf bei der Bewusstseinsbildung, um auch stärker in die Umsetzung zu kommen. So hatten deutsche Kommunen wie z.B. Berlin in den vergangenen 20 Jahren Probleme, sich kleinräumig auf zunächst sinkende und dann wieder steigende Schülerzahlen einzurichten. Die Folgekostenbetrachtung sei insbesondere dort wichtig, wo die Bevölkerung stark rückläufig ist. Interessant seien aber auch jüngste grenzübergreifende Entwicklungen wie im Großraum Stettin. Während auf deutscher Seite die Bevölkerung und die Wohnflächennachfrage sinke, habe sich eine Wohnflächennachfrage in Teilen der polnischen Bevölkerung aus dem Raum Stettin entwickelt, die sich auf den grenznahen Raum in Deutschland fokussiert.

Kommunikation und Bewusstseinsbildung für die Fläche - wie begeistern wir Politik, Wirtschaft und Gesellschaft?

Dr. Michael Melzer (Institut Raum & Energie, Wedel b. Hamburg)

Foto: Dr. Michael Melzer

Herr Dr. Melzer zeigte am Beispiel des REFINA-Verbundprojektes "Zukunft Fläche" in der Metropolregion Hamburg Ansätze für eine zielgruppenadäquate Kommunikation des komplexen, problembehafteten und zuweilen sperrigen Themas Fläche. So komme es darauf an, bei der Arbeit mit Kommunalpolitikern, Bürgermeistern und Planungsfachleuten aus der Verwaltung auf wichtige Kernbotschaften zu fokussieren. Gute Erfahrungen wurden im REFINA-Verbundprojekt mit den Themen Innenentwicklung, Kosteneinsparung und Werterhalt von Immobilien gemacht. Mit einer emotionalen Ansprache, in Zukunftswerkstätten, regionalen Themenforen und in Beratungen in Ausschusssitzungen wurden Planungsinstrumente, Kostenrechner und Best-practice-Beispiele vorgestellt und erörtert. Flankierend wurden Kommunikationsmittel wie eine Internetplattform, ein Online-Newsletter, Postkarten, Broschüren sowie ein Kurzfilm produziert und eingesetzt. Weiterhin ging Herr Dr. Melzer auf das Thema interkommunale Kooperation im Stadt-Umland-Kontext ein. Hier seien die Prinzipien Freiwilligkeit, Gleichberechtigung und Konsensprinzip der Schlüssel für einen Erfolg. Das REFINA-Verbundvorhaben "Stadt-Umland-Modellkonzept Elmshorn/Pinneberg" leistete eine enge Einbindung der Kommunalpolitik in Zusammenarbeits- und Kommunikationsstrukturen wie einer Regionalkonferenz, einen Bürgermeisterausschuss und einen Arbeitsausschuss. Wichtig sei stets ein aktiver Interessenausgleich zwischen den Kooperationsbeteiligten.

Kommunikation und Bewusstseinsbildung für die Fläche - wie begeistern wir Politik, Wirtschaft und Gesellschaft? (pdf, 1,91 MB)
Dr. Michael Melzer

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Folkert Kiepe (Beigeordneter des Deutschen Städtetages)

Foto: Folkert Kiepe

Herr Kiepe bestätigt die plastische Schilderung von Herrn Dr. Melzer, wonach die interkommunale Konkurrenz ein evidentes Kernproblem abgestimmter Siedlungsentwicklung darstellt. Zugleich bestünde in vielen Gemeinden in Deutschland die Sorge, durch eine Gebietsreform und Eingemeindung Einflussmöglichkeiten auf die örtliche Entwicklung zu verlieren. Daher sei es im Interesse interkommunaler Kooperation sehr wichtig, dass die Städte und Gemeinden jeweils über genügend Verwaltungskraft verfügen, um auf Augenhöhe miteinander reden zu können. Entscheidend seien überzeugende Ziele und tatsächliche Chancen aller Beteiligten bei einer Kooperation. Inzwischen sei es dem Deutschen Städtetag gelungen, dass integrierte Stadt- und Verkehrspolitik breit anerkannt werde und als wesentliches Element des Leitbilds der kompakten und nutzungsgemischten Stadt gelte. Allerdings war es bis dahin ein langer und teils steiniger Weg. Die EU könne Kooperation und Themenintegration in den Kommunen z.B. durch eine bessere Abstimmung der einzelnen Fachpolitiken der Kommission und durch eine stärkere Fokussierung der Kohäsionspolitik auf die Inhalte der Leipzig-Charta von 2007 unterstützen. Zukünftig müssten neben ökologischen Argumenten die Kostenvorteile integrierter Stadtentwicklung stärker in den Mittelpunkt der Debatte gestellt werden. Zudem solle das Thema der interkommunalen Kooperationen und Partnerschaften stärker in den EU-Programmen verankert werden. Die im aktuellen Weißbuch Verkehr dargestellten Ziele und Maßnahmen seien unbedingt durch eine kongruente EU-Politik zu unterstützen. Die für eine nachhaltige Flächenpolitik kontraproduktiven Anreize wie die Pendlerpauschale in Deutsch-land sollte man abschaffen. Die Grundsteuer sollte auf der Grundlage der Bodenwerte mit einem Zuschlag für erschlossene, aber nicht oder mindergenutzte Grundstücke kombiniert werden. Ferner sollte bei der Finanzierung der Infrastruktur stärker auf das Verursacherprinzip gesetzt werden.

Schlusswort

Wilfried Kraus (Leiter der Unterabteilung Nachhaltigkeit, Klima, Energie, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF))

Herr Kraus bilanzierte als großen Erfolg der Veranstaltung, dass mit dem heutigen Tage das "community building" für ein nachhaltiges Landmanagement auch in Europa ein großes Stück vorangekommen sei. Es werde deutlich, welchen wichtigen Beitrag die BMBF-Fördermaßnahme REFINA hierfür für Forschung und Praxis in Deutschland geleistet habe und noch leiste. Die im Jahr 2010 gestartete BMBF-Fördermaßnahme "Nachhaltiges Landmanagement" greife mit seinem Modul B auch Anknüpfungspunkte aus REFINA auf und führe sie in neuen Zusammenhängen weiter.

Für ein nachhaltiges Land- und Flächenmanagement seien die Beobachtungen von Veränderungen auch über längere Zeiträume wesentlich. Hierfür seien u.a. verlässliche und konsistente Daten zum Flächen- und Landmanagement auf europäischer Ebene notwendig. Der demografische Wandel sei ein bedeutsamer Treiber auch für nationale und EU-Politik bzw. Förderung. Würden die ökonomischen Herausforderungen dieses Wandels frühzeitig erkannt und berücksichtigt, profitiere davon neben der Ökonomie auch die Ökologie, wie das Beispiel der "Stadt der kurzen Wege" zeige. Generell sei hier die Europäische Kommission mit den Generaldirektionen Forschung und Innovation, Umwelt, Regionalpolitik, Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, u.a. gefordert. Zum Beispiel sollten zur Unterstützung der weiteren Entwicklung auch im 8. Forschungsrahmenprogramm neue Ansätze zum Nachhaltigen Flächen- und Landmanagement berücksichtigt werden.


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